Zilien-Dyskinesie,primäre/ Kartagener-Syndrom

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Krankheitsbeschreibung

Die primäre Zilien-Dyskinesie (PCD) ist eine seltene Atemwegserkrankung mit chronischer Bronchitis, Bronchiektasen und chronischer Sinusitis. Nach der Zystischen Fibrose ist die PCD die zweithäufigste angeborene Störung der Atemwege. Die Prävalenz bei Geburt ist 1/20.000. Klinische Symptome können schon bei Geburt als Atemnot-Syndrom bestehen. Bei Kindern manifestiert sich die Krankheit mit Husten, chronischer Bronchitis, chronischer Rhinitis, Nasenpolypen, Agenesie der Stirnhöhle und rezidivierender Otitis. Ein Situs inversus besteht bei fast 50% der Patienten und etabliert die Diagnose des Kartagener-Syndroms (KS; s. dort). Möglich sind auch Herzfehler, z.B. Vorhofseptumdefekt und Transposition der großen Gefäße (s. die Termini). Die PCD führt zu gestörtem muko-ziliären Transport in den Atemwegen. Die Ziliendefekte erstrecken sich meist auch auf die Spermienflagellen, mit der Folge männlicher Infertilität. Verschiedene strukturelle Anomalien der Zilien, z.B. Dynein-Arm- und Speichen-Defekte oder Transposition der peripheren Mikrotubuli wurden beschieben. Die PCD wird autosomal-rezessiv vererbt. Als Ursache der PCD wurden Mutationen der Gene DNAH5 (28% der Patienten) und DNAI1 (2-10% of patients), sowie seltener der Gene TXNDC3, DNAH11 und DNAI2 gefunden. Sie kodieren für Komponenten des äußeren Dynein- Arms (ODA), der die Bewegung der Zilien und Geißeln steuert. Mutationen in den DNAI1- oder DNAH5-Genen sind zusammen für etwa ein Drittel der Fälle von PCD/KS verantwortlich. In der letzten wurden ursächliche Mutationen auch in den Genen C14orf104, OFD1, RSPH9 und RSPH4A gefunden. Eine seltene Form der PCD ist mit Retinitis pigmentosa assoziiert und wird durch Mutationen im RPGR-Gen verursacht. Familien mit autosomal-dominant vererbter PCD/DCK wurden beschrieben, aber das hierfür verantwortliche Gen ist noch nicht bekannt. Infertilität ist eines der Symptome, die bei Männern zur Diagnose führen. Der Saccharin-Inhalationstest ist informativ, für kleine Kinder aber nicht geeignet, da sich die Testperson ruhig halten muß. Deshalb wird zur Bestätigung der Diagnose in der Regel die Biopsie oder Wischprobe einer bewimperten Schleimhaut benötigt, die nur in erfahrenen Zentren durchgeführt werden sollte. Im Biopsat kann die Zilienfunktion durch Messung der Schlagfrequenz und durch elektronenmikroskopische Untersuchung der Zilienstruktur beurteilt werden. Es ist möglich, den Zilienschlag mit digitalen Hochgeschwindigkeits-Kameras zu registrieren und danach in Zeitlupe zu untersuchen. Dies wird wahrscheinlich in der Zukunft der Referenztest. Differentialdiagnostisch müssen die Zystische Fibrose (s. dort) und Immundefizienz ausgeschlossen werden. Die Patienten werden symptomatisch behandelt. Regelmäßige Impfungen und früher Einsatz von Antibiotika, zusammen mit Atem-Physiotherapie tragen dazu bei, die Entstehung von Bronchiektasen einzuschränken. Patienten mit Bronchiektasen benötigen täglich Atem-Physiotherapie, auch in den ruhigen Intervallen. Bei Patienten mit terminaler Ateminsuffizienz besteht die Möglichkeit einer Lungentransplantation. Gelegentlich müssen Herzfehler chirurgisch korrigiert werden. Die Prognose der Krankheit hängt von der Häufigkeit pulmonaler Infektionen ab, da diese in der Regel zu Bronchiektasen mit chronischer Ateminsuffizienz führen.
Quelle: Orphanet: an online rare disease and orphan drug data base. Copyright, INSERM 1997. Available on http://www.orpha.net. Accessed 19.01.2015

Orofaziale Manifestation

Sinusitis maxilliaris

Literatur

Weblinks