Von-Willebrand-Syndrom

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Krankheitsbeschreibung

Das von-Willebrand-Syndrom (VWS) ist eine erbliche Blutungsneigung mit quantitativer, struktureller oder funktioneller Veränderung des von-Willebrand-Faktors (VWF). Zwei hauptsächliche Gruppen werden unterschieden, (i) quantitative Störungen (partieller Mangel, Typ 1; vollständiger Mangel, Typ 3) und (ii) qualitative Störungen (Typ 2) mit mehreren Untertypen (2A, 2B, 2M, 2N; sh. diese Termini). Die Schätzungen der Prävalenz des VWS in der Allgemeinbevölkerung liegen in verschiedenen Studien für alle Formen zusammen zwischen 0,1 und 1%. Die Häufigkeit symptomatischer Formen, die einer spezifischen Therapie bedürfen, wird auf 1:50.000 bis 1:8.500 geschätzt. Das Erkrankungsalter ist unterschiedlich, ein schwererer VWF-Mangel ist mit früherem Beginn verbunden. Die Krankheit wird mit abnormen (spontanen oder im Zusammenhang mit invasiven Eingriffen auftretenden) Blutungen unterschiedlichen Ausmaßes manifest. Im allgemeinen handelt es sich um mukokutane Blutungen (u.a. Epistaxis, Menorrhagie), in schwereren Formen können aber auch Hämatome und Hämarthrose auftreten. Ursache des VWS sind Mutationen im VWFGen (12p13.3), das für das multimere VWF-Protein kodiert. Das VWF-Protein ist in den Thrombozyten, am Endothel und im Plasma lokalisiert und spielt eine entscheidende Rolle bei der Interaktion der Thrombozyten mit verletzten Gefäßwänden und beim Transport und der Stabilisierung des Gerinnungsfaktors VIII (FVIII). Am häufigsten wird das VWS autosomal-dominant vererbt, einige der Typ 2-Untertypen und der Typ 3 werden dagegen autosomal-rezessiv vererbt. Zur Diagnose führen funktionelle und immunologische VWF-Tests und die Messung des FVIII-Spiegels. Die Diagnose der einzelnen Typen erfordert sehr spezifische Tests, z.B. über die Verteilung der VWF-Multimere. Durch die Messung der VWF-Spiegel kann das VWS in der Regel von der Hämophilie A (s. dort) unterschieden werden. Nur die Erkennung des VWS Typ 2N erfordert weitere, spezifische Tests. Problematischer ist die Unterscheidung des im Rahmen einer anderen Erkrankung auftretenden Erworbenen von-Willebrand-Syndroms (AVWS; s.dort) vom erblichen VWS. Differentialdiagnostisch muss auch bedacht werden, dass Menschen mit Blutgruppe 0 leicht verminderte VWF-Spiegel haben können. Zur Information über die verschiedenen Schweregrade der Krankheit mit begleitenden Risiken und über die Suchtests zur Erkennung betroffener Angehöriger soll den Patienten eine genetische Beratung angeboten werden. Paare mit dem Risiko für ein Kind mit Typ-3-VWS sollten in einem spezialisierten multidisziplinären Zentrum beraten werden. Das Management des VWS hängt von dessen Typ ab. Beim Typ 1 des VWS ist Desmopressin für abnorme Blutungen in der Regel ein wirksames präventives oder kuratives Mittel. Patienten mit Typ 2 sprechen auf Desmopressin unterschiedlich an, oft ist eine Substitutionstherapie mit gereinigtem humanem VWF erforderlich. Bei Patienten mit Typ 3 ist Desmopressin nicht zur Behandlung geeignet. Diese Patienten benötigen eine Substitution mit gereinigtem humanem VWF, bei ersten Injektion ergänzt mit FVIII. Bei Betreuung in spezialisierten hämostasiologischen Krankenhausabteilungen haben Patienten selbst mit den schwersten Formen der Krankheit eine gute Prognose.
Quelle: Orphanet: an online rare disease and orphan drug data base. Copyright, INSERM 1997. Available on http://www.orpha.net. Accessed 19.01.2015

Orofaziale Manifestation

Hämorrhagische Diathesen

Literatur

Weblinks