Usher-Syndrom

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Krankheitsbeschreibung

Das Usher-Syndrom (US) ist gekennzeichnet durch die Trias Schallempfindungs-Schwerhörigkeit (meist kongenital), Retinitis pigmentosa und fortschreitender Sehverlust. Die Prävalenz wird auf 1:30.000 geschätzt. Das US ist die häufigste Ursache für ein gemeisames Auftreten von erblicher Taubheit und Blindheit. Der Beginn ist meist im Kindesalter. Drei klinische Formen werden unterschieden: Typ 1 (etwa 40% der Fälle) mit kongenitalem, schwerem und nicht progredientem Hörverlust, der in typischen Fällen mit vestibulärer Areflexie assoziiert ist. Diese ist die Ursache für verspätete Meilensteine (Kopfkontrolle, freies Sitzen und Gehen); Typ 2 (etwa 60% der Fälle) mit prälingualem, moderatem bis schwerem und langsam progredientem Hörverlust, der nicht mit vestibulären Störungen assoziiert ist; Typ 3 (<3% der Fälle, aber häufiger in der finnischen Bevölkerung und bei Azhkenazi-Juden) mit schnell progredientem Hörverlust, der oft im ersten Lebensjahrzehnt diagnostiziert wird und in der Hälfte der Fälle mit vestibulären Störungen assoziiert ist. Die Retinitis pigmentosa wird in der Regel erst nach der Erkennung der Hörstörung diagnostiziert. Erstes Symptom ist visuelles Unbehagen im Dämmerlicht. Danach folgt eine zunehmende Sehschwäche, die in wenigen Jahrzehnten zu völliger Erblindung führt. Die Vererbung ist autosomal-rezzessiv. Als Ursache des US Typ 1 wurden bisher Mutationen in 5 Genen gefunden: MYO7A (11q13.5), USH1C (11p15.1), CDH23 (10q21-q22), PCDH15 (10q21-q22) und USH1G (17q24-q25) gefunden. Ein weiteres, noch nicht identifiziertes Gen liegt in der Chromosomenregion 21q21 (Locus USH1E). Mutationen in drei Genen (USH2A (1q41), GPR98 (5q14) und DFNB31 (9q32-q34)) und ein möglicher Locus in 15q werden in Zusammenhang mit US Typ 2 gebracht. Bei US Typ 3 wurde bisher nur 1 ursächliches Gen (CLRN1; 3q21-q25) identifiziert. Berichtet wurde auch über Fälle mit digener Vererbung. Die klinische Diagnose beruht auf dem Befund einer beidseitigen Schallempfindungs-Schwerhörigkeit (symmetrisch, kongenital, und schwer beim Typ 1 und moderat bis schwer mit bevorzugtem Hörverlust im Hochtonbereich bei Typ 2) in Kombination mit Retinitis pigmentosa (Pigmentablagerungen im Fundus, flaches oder reduziertes Elektroretinogramm). Nach vorangegangener Kopplungsanalyse ist eine molekulare Diagnostik durch genomische Sequenzierung des jeweiligen Kandidatengens möglich. Differentialdiagnosen sind okulo-akustische Syndrome mit Mutationen der mitochondrialen DNA (MIDD, Kearns-Sayre-Syndrom) und seltener die Refsum-Krankheit und moderatere Formen des Alström-Syndroms (s. diese Termini). Bei der genetischen Beratung muss erwähnt werden, dass USH2A-Mutationen in der Allgemeinbevölkerung relativ häufig sind. In Familien mit bekannten Mutationen ist eine vorgeburtliche Diagnostik möglich. Die Betreuung der kombinierten Taubheit und Blindheit erfordert ein multidisziplinäres Expertenteam (HNO, Ophthalmologie, Sprachtherapie, Psychologie, Hörgeräteversorgung, psychomotorische Entwicklungsprogramme, an gleichzeitig hör- und sehbehinderte Patienten angepasste Lernprogramme). Für Patienten mit moderatem bis schwerem Hörverlust können konventionelle Hörgeräte verwendet werden. Patienten mit profunder angeborener Schwerhörigkeit erhalten jetzt häufiger ein- oder beidseitige Cochleaimplantate. Hörgerate und Implantate sind wirksamer, wenn sie frühzeitig eingesetzt werden. Für die Versorgung der Retinopathie werden Linsen mit Spezialfiltern empfohlen. Die aktuelle Forschung zielt auf Gentherapie, Neuroprotektion und künstliche Sehsysteme. Die Prognose wird durch den fortschreitenden Sehverlust bestimmt: Fast alle Patienten erblinden zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr.
Quelle: Orphanet: an online rare disease and orphan drug data base. Copyright, INSERM 1997. Available on http://www.orpha.net. Accessed 26.12.2016.

Orofaziale Manifestation

Zahnanomalien (Schmelzhypoplasien, braun/orange verfärbet Schmelzdefekte)

Literatur

Weblinks