Treacher-Collins-Syndrom/ Franceschetti-Syndrom

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Krankheitsbeschreibung

Das Treacher-Collins-Syndrom ist eine angeborene Entwicklungsstörung des Schädels und Gesichtes und gekennzeichnet durch beidseitige symmetrische oto-mandibuläre Dysplasie ohne Anomalien der Extremitäten, zusammen mit schweren Defekten des Kopfes und des Halses. Die Prävalenz unter Lebendgeborenen wird auf 1:50.000 geschätzt. Die Kinder zeigen charakteristische faziale Dysmorphien mit beidseitiger und symmetrischer Hypoplasie der Jochbeine und der Infraorbitalleisten (80 % der Fälle) sowie des Unterkiefers (78 %) (Retrognathie, Retrogenie), wodurch es zu einer Malokklusion des Gebisses kommt, oft gekennzeichnet durch vordere Apertognathie. Im Bereich der Jochbeine, der unteren Orbitalleiste und der Wangen besteht eine auffallende Hypoplasie der Weichteile. Weitere Symptome sind Anomalien des temporo-mandibularen Gelenkes mit unterschiedlich schwer ausgeprägter Einschränkung des Mundöffnens, anti-mongoloid verlaufende Lidachsen (89 %) und ein Kolobom der Unterlider zwischen dem äußeren und mittleren Drittel (69 %) mit fehlenden Wimpern im äußeren Drittel des unteren Augenlids. In der Nähe zum lateralen Kanthus ist ein knöchelner Knoten tastbar. Das Gaumendach ist hoch und gelegentlich (28 %) besteht eine Gaumenspalte. Häufig (60 %) bestehen Anomalien des äußeren Ohres, zum Beispiel Mikrotie oder Anotie, Atresie des äußeren Gehörganges und Anomalien der Knöchelchenkette im Mittelohr, wodurch es zur Schallleitungsschwerhörigkeit kommt. Die Intelligenz ist in der Regel normal. Wegen der Enge der oberen Atemwege und der eingeschränkten Mundöffnung kommt es in den frühen Jahren zu Problemen beim Atmen und bei der Ernährung. Seltenere Symptome sind Enchondrome und/oder Fisteln vor dem Tragus, Anomalien der Wirbelsäule und des Herzens und Spalten der Kommissur. Ursache des Syndroms sind Mutationen im TCOF1-Gen (5q32-q33.1), das für das nukleäre Phosphoprotein Treacle kodiert, oder in den Genen POLR1C (6p21.1) und POLR1D (13q12.2), die für die RNA-Polymerasen-I- und -III-Untereinheiten kodieren. Die Vererbung ist autosomal-dominant mit 90 %iger Penetranz und variabler Expressivität, selbst zwischen Betroffenen der gleichen Familie. Zur Diagnose führen die klinischen Befunde und die begleitenden Untersuchungen. Molekulare Tests bestätigen die Diagnose. Differentialdiagnosen sind Nager-Syndro und Miller-Syndrom sowie das Goldenhar-Syndrom (s. diese Termini) in seiner beidseitigen und leicht asymmetrischen Form. Das Syndrom kann schon vor der Geburt durch Ultraschall über den Nachweis der typischen fazialen Dysmorphien mit beidseitigen Ohranomalien erkannt werden. Eine vorgeburtliche Diagnose ist durch molekulare Analyse von Chorionzotten (CVS) möglich. Die genetische Beratung ist durch die variable Expressivität der Krankheit kompliziert. Die vorgeburtliche Diagnostik sollte deshalb unter Beteiligung eines multidisziplinären Teams besprochen werden. Die Betreuung der Patienten ist multidisziplinär. Im Fall von erschwerter Atmung sollte Tracheostomie, nicht-invasive Beatmung (NIV) oder mandibuläre Distraktion diskutiert werden. Durch maxillo-faziale und plastische Chirurgie können die Hypoplasie der Weichteile (Lipostruktur) der Knochenhypoplasie (Distraktion, Knochentransplantate), Augenlidkolobom und Gaumenspalte korrigiert werden. Sehr schwierig ist die Behandlung der eingeschränkten Mundöffnung. Eine spezialisierte otologische Chirurgie ist erforderlich, um die Anomalien des Mittelohrs (funktionelle Chirurgie) und des äußeren Ohrs (Rekonstruktion der Ohrmuscheln) zu korrigieren. Hörstörungen sollten schon früh behandelt werden (Hörhilfen und funktionelle Chirurgie), um eine normale Entwicklung zu gewährleisten. Bei angemessener Behandlung ist die Prognose für leichtere Formen der Krankheit günstig.
Quelle: Orphanet: an online rare disease and orphan drug data base. Copyright, INSERM 1997. Available on http://www.orpha.net. Accessed 17.01.2015

Orofaziale Manifestation

Dysgnathie (Retrogenie, Retrognathie), Malokklusion, hoher Gaumen, Lippen-Kiefer-Gaumenspalte

Literatur

Weblinks