Sjögren-Larsson-Syndrom

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Krankheitsbeschreibung

Das Sjögren-Larsson-Syndrom (SLS) ist eine neurokutane Erkrankung. Ihre Ursache ist ein angeborener Defekt im Fettstoffwechsel. Charakteristische Symptome sind kongenitale Ichthyose, intellektuelles Defizit und spastische Parese. Die Prävalenz wird weltweit auf 1:250.000 geschätzt, durch einen Gründereffekt ist das Syndrom in Nordschweden häufiger. Die Symptome entwickeln sich pränatal und im Neugeborenenalter. Bei Geburt besteht in der Regel eine leichte Hyperkeratose, die sich zu einer generalisierten Ichthyose fortentwickelt, besonders ausgeprägt in den Beugen, im Nacken, sowie an Stamm und Extremitäten. Anders als bei anderen Ichthyosen besteht ausgeprägter Juckreiz. Oft haben die Patienten bei Geburt eine leichte erythematöse Dermatitis, die mit zunehmendem Alter zurückgeht. Neurologische Symptome treten im ersten und zweiten Lebensjahr auf: Wegen spastischer Diplegie, seltener wegen spastischer Tetraplegie werden die motorischen Meilensteine nicht in normaler Zeit erreicht. Etwa die Hälfte der Patienten sind nicht gehfähig, etwa 40% haben zerebrale Krampfanfälle. Das intellektuelle Defizit ist leicht bis schwer ausgeprägt, selten sind die Patienten sogar normal intelligent. Verzögerte Sprachentwicklung und Dysarthrie sind häufig. Oft bestehen Symptome an den Augen: Kristalleinschlüsse in der Netzhaut (sog. glitzernde weiße Punkte) um die Fovea herum, oft auch Photophobie und Myopie. Berichtet wurde über auffällige Dermatoglyphen. Häufig werden die Patienten vor Termin geboren. Ursache des SLS sind Mutationen im ALDH3A2-Gen (17p11.2), das für die Fettaldehyd-Dehydrogenase (FALDH) kodiert. Dieses Enzym katalysiert die Oxidation von langkettigen Aldehyden zu Fettsäuren. Im ALDH3A2-Gen wurden bisher mehr als 70 verschiedene Mutationen gefunden, darunter Aminosäureaustausche, Deletionen, Insertionen und Splicemutanten. Die Vererbung ist autosomal-rezessiv. Das SLS wird durch Messung der FALDH in kultivierten Hautfibroblasten diagnostiziert. Die Diagnose wird durch Screening auf bekannte Mutationen mittels allel-spezifischer PCR oder direkter Sequenzierung des ALDH3A2-Gens bestätigt. Im frühen Kleinkindalter, vor Auftreten der Spastik, betrifft die Differentialdiagnose andere Formen von kongenitaler Ichthyose, darunter der Lamellären Ichthyose und der Kongenitalen ichthyosiformen Erythrodermie (s. diese Termini). Mit den neurologischen Symptomen der späteren Kindheit ist differentialdiagnostisch an verschiedene andere Neuro-Ichthyose-Syndrome zu denken, z.B. die Neutralfett-Speicherkrankheit (Chanarin-Dorfman-Syndrom), den multiplen Sulfatasemangel und das Refsum-Syndrom (s. diese Termini). Eine vorgeburtliche Diagnose ist mit biochemischer oder molekularer Analyse aus kultivierten Amnion- und Chorionzottenzellen möglich. Die Betreuung erfordert ein multidisziplinäres Team aus Neurologen, Dermatologen, Ophthalmologen, orthopädischen Chirurgen und Physiotherapeuten. Die Ichthyose wird topisch mit keratolytischen Zubereitungen oder systemisch mit Retinoiden behandelt. Die Krampfanfälle sprechen meist auf Antikonvulsiva an, die Spastik wird mit chirurgischen Verfahren kontrolliert. Spezielle Diäten mit zusätzlicher Gabe mittelkettiger Fettsäuren kann die Ichthyose beeinflussen, aber die Wirkung ist begrenzt. Die Patienten erreichen in der Regel das Erwachsenenalter, sind aber lebenslang pflegebedürftig. Nach Ende der Pubertät bleiben die neurologischen Befunde und das Ausmaß des intellektuellen Defizits stabil. Patienten mit früh auftretenden Symptomen sind sehr schwer betroffen.
Quelle: Orphanet: an online rare disease and orphan drug data base. Copyright, INSERM 1997. Available on http://www.orpha.net. Accessed 17.01.2015

Orofaziale Manifestation

Zahnanomalien

Literatur

Weblinks