Silver-Russell-Syndrom

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Krankheitsbeschreibung

Das Silver-Russel-Syndrom ist gekennzeichnet durch pränatal beginnenden Minderwuchs, besondere faziale Dysmorphien und Körperasymmetrie. Die Inzidenz wurde zu 1-30 :100.000 bestimmt, und etwa 400 Fälle wurden beschrieben. Das Gewicht ist oft stärker reduziert als die Körpergröße, da wenig subkutanes Fettgewebe vorhanden ist. Die Knochenreifung ist verzögert, das Knochenalter entspricht der jeweiligen Körpergröße. Die Fontanelle schließt sich evtl. erst spät. Der Kopfumfang ist altersentsprechend normal, steht damit im Gegensatz zum restlichen Körper und vermittelt so den irrtümlichen Eindruck eines Hydrozephalus (Pseudo-Hydrozephalus). Die breite, vorgewölbte Stirn kontrastiert mit dem kleinen dreieckigen Gesicht mit kleinem, spitzem Kinn. Der Mund ist breit, die Lippen schmal, die Mundwinkel herabgezogen. Die Augen sind groß und haben bläuliche Skleren. In 60-80% besteht laterale und meist nur partielle, nicht progrediente Asymmetrie der Gliedmaßen. Häufig wird eine Verkürzung und Klinodaktylie des Kleinfingers gesehen. Einige Patienten sind langsam beim Erwerb motorischer Geschicklichkeit, nur selten sind sie geistig leicht retardiert. Die Ätiologie ist heterogen. Die meisten Fälle sind sporadisch. In 10% der Fälle besteht eine maternale uniparentale Disomie des Chromosoms 7. Bei etwa 30% der Patienten wird eine Hypomethylierung des H19-Gens in der Imprintregion 11p15 gefunden. Die Hypomethylierung ist in den meisten Fällen Folge eines epigenetischen Mechanismus oder eines genomischen Mikro-Rearrangements, z.B. einer maternalen Mikro-Duplikation dieser Region. Die Diagnose erfolgt überwiegend klinisch, denn einen spezifischen Labortest gibt es nicht. Sie kann aber durch den Nachweis einer ursächlichen molekularen Anomalie bestätigt werden. Differentialdiagnostisch müssen andere Ursachen einer intrauterinen Wachstumsretardierung ausgeschlossen werden: Gestörte Plazentafunktion, strukturelle chromosomale Anomalien, Chromosomenmosaike, neonatale Progerie (Wiedemann-Rautenstrauch-Syndrom), 3M-Syndrom und Mulibrey-Kleinwuchs (s. diese Termini). Die genetische Beratung richtet sich nach der jeweiligen genetischen Ätiologie. Bei uniparentaler Disomie des Chromosoms 7 und bei epigenetischen Störungen der Chromosomenregion 11p15 ist das Wiederholungsrisiko extrem niedrig. Eine vorgeburtliche Diagnostik ist in der Regel nicht angezeigt, da die meisten der bisher beschriebenen Fälle sporadisch waren und die Geburt eines weiteren betroffenen Kindes nicht angenommen wird. Die Behandlung ist supportiv. Eine Therapie mit Wachstumshormon kann das Wachstum beschleunigen und die Endgröße verbessern, der Normbereich wird aber nicht erreicht. Die Patienten bleiben klein und behalten einen mageren Körperbau, aber die Langzeitprognose ist gut. Eine mögliche Hemihypertrophie ist nicht mit einem erhöhten Tumorrisiko verbunden.
Quelle: Orphanet: an online rare disease and orphan drug data base. Copyright, INSERM 1997. Available on http://www.orpha.net. Accessed 26.12.2016.

Orofaziale Manifestation

Der Mund ist breit, die Lippen schmal, die Mundwinkel herabgezogen

Literatur

Weblinks