Rubinstein-Taybi-Syndrom

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Krankheitsbeschreibung

Das Rubinstein-Taybi-Syndrom (RTS) ist gekennzeichnet durch angeborene Fehlbildungen (Mikrozephalie, spezifische faziale Dysmorphien, breite Daumen und Großzehen und postnatale Wachstumsretardierung), geistige Retardierung und charakteristisches Verhalten. Die Prävalenz bei Geburt ist 1 : 100.000 bis 1 : 125.000. Die Ausprägung der fazialen Charakteristika (stark gebogene Augenbrauen, lange Wimpern, anti-mongoloide Lidachsen, schnabelförmige Nase, hoher schmaler Gaumen, Mikrogenie) nimmt mit dem Alter zu. Sehr häufig werden an der Rückseite der bleibenden Schneidezähne sog. `talon cusps' (fingernagelförmige Vertiefungen) gesehen. Die meisten betroffenen Patienten zeigen ein ungewöhnliches Lächeln mit fast vollständig geschlossenen Augen. Weitere körperliche Befunde sind Augenanomalien (Verschluss des Ductus nasolacrimalis, angeborenes Glaukom, Refraktionsfehler), verschiedene Herzfehler, überstreckbare Gelenke und Anomalien der Haut (vor allem Neigung zu Keloiden). Obstipation ist meist ein lebenslanges Problem und viele Patienten werden in der späten Kindheit oder frühen Pubertät adipös. Als Kinder können die Patienten sehr gute soziale Kontakte herstellen. Im Erwachsenenalter werden plötzliche Stimmungsschwankungen und obsessiv-kompulsives Verhalten allmählich immer häufiger. Berichtet wird über ein erhöhtes Tumorrisiko (bei Kindern hauptsächlich Leukämie, bei Erwachsenen Meningiome). Das Syndrom ist fast immer sporadisch. Ursachen sind: Mikrodeletionen der Chromosomenregion 16p13.3, Mutationen im Gen für das CREB-bindende Protein (CBP, 16p13.3) und Mutationen im E1A-bindenden Protein (EP300, 22q13). Die CBP- und EP300-Proteine zeigen einen hohen Grad von Homologie und sind beide sehr wichtige globale transkriptionelle Koaktivatoren. Die genaue Pathogenese ist aber noch nicht bekannt. Prinzipiell wird die Diagnose klinisch gestellt. Eine zytogenetische oder molekulare Veränderung wird bei etwa 55% der Patienten gefunden. Gelegentlich ist das Syndromschwer vom Saethre-Chotzen- und vom Cornelia-de-Lange-Syndrom (sh. diese Termini) zu unterscheiden. Das Wiederholungsrisiko für Geschwister von Indexpatienten, mit einem RTS geboren zu werden, ist niedrig (0,1%). Es gibt bisher keinen Bericht, dass ein gesundes Geschwister eines Indexpatienten ein Kind mit RTS bekam. Das Wiederholungsrisiko für Kinder von Patienten mit RTS beträgt evtl. bis zu 50%. Wenn bei dem betroffenen Kind eine zytogenetische oder molekulare Anomalie gefunden wurde, ist in weiteren Schwangerschaften eine vorgeburtliche Diagnose nach Chorionzottenbiopsie möglich. Durch Fehlbildungsultraschall ist das RTS pränatal nur selten verlässlich zu diagnostizieren. Die Behandlung ist hauptsächlich symptomatisch. Erforderlich sind spezielle pädagogische Programme, mit besonderer Berücksichtigung der psychomotorischen Entwicklung, und Sprachtherapie. Außer bei Kindern mit komplexem Herzfehler scheint die Lebenserwartung nicht beeinträchtigt zu sein. Die häufigsten Todesursachen sind sind maligne Erkrankungen und Atemwegsinfekte.
Quelle: Orphanet: an online rare disease and orphan drug data base. Copyright, INSERM 1997. Available on http://www.orpha.net. Accessed 02.05.2014

Orofaziale Manifestation

Dysgnathie, Mikrognathie, Retrognathie, Malokklusion, hoher Gaumen, Zahnanomalien (Schmelzdysplasie, Formanomalie)

Literatur

Weblinks