Rachitis, hypokalzämische, Vitamin D-abhängige

Aus ROMSEWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Krankheitsbeschreibung

Die Vitamin D-abhängige Hypokalzämische Rachitis (VDDR-I) ist eine früh manifeste hereditäre Störung des Vitamin D-Stoffwechsels und gekennzeichnet durch schwere Hypokalzämie (mit der Folge von Osteomalazie und rachitischen Knochendeformitäten) und moderate Hypophosphatämie. Die Prävalenz bei Geburt wird auf etwa 1:2.000 geschätzt. Häufiger ist die Krankheit in der französisch-kanadischen Population der Region Saguenay in Quebec. Die Krankheit manifestiert sich im ersten Lebensjahr mit Muskelhypotonie, Tetanie, Krämpfen, Muskelschwäche und mangelhaftem Wachstum. Zunehmend zeigen die Patienten rachitische Deformitäten (gebogene Gliedmassen, rachitischer Rosenkranz u.a.). Gelegentlich besteht eine Schmelzhypoplasie. Ursache der Krankheit sind inaktivierende Mutationen im CYP27B1-Gen (12q14), das für die 1-Alpha-Hydroxylase kodiert, die die Vitamin D-Vorstufe Calcidiol zu Calcitriol, dem aktiven Vitamin D-Metaboliten, umwandelt. Der Defekt in diesem Stoffwechselschritt führt zu verminderter intestinaler Resorption von Kalzium und Phosphat. Zur Diagnose führen die biochemischen und radiologischen Befunde. Klassische radiologische Zeichen der Rachitis am Skelett sind Anomalien der Wachstumsplatten und Knochenmetaphysen, sowie Osteomalazie und Osteoporose. Biochemische Befunde sind schwere Hypokalzämie und moderate Hypophosphatämie. Zusätzliche biochemische Befunde sind normale Serumspiegel von Calcidiol (25-Hydroxyvitamin D) in Verbindung mit niedrigen Serumspiegel von Calcitriol (1,25-Dihydroxyvitamin D3), Aminoazidurie und erhöhte periphere Konzentrationen des Parathormons. Die Knochenbiopsie kann eine Osteomalazie zeigen. Durch DNA-Analyse wird die Diagnose bestätigt. Differentialdiagnosen sind ernährungsbedingter Vitamin D-Mangel, Vitamin D-resistente Rachitis (s. dort) und Knochendysplasie. Die Krankheit wird autosomal-rezessiv vererbt. Die Behandlung zielt auf verbessertes Wachstum, auf die Wiederherstellung normaler Serumspiegel von Kalzium, Phosphor, alkalischer Phosphatase und Parathormon und auf die Heilung/Verhütung von Skelett-Deformitäten. Sie besteht in täglicher Gabe hoher Vitamin D-Dosen und physiologischer Dosen von Calcitriol. Mögliche Komplikationen der Therapie sind Nephrokalzinose, Hyperkalziurie und Hyperkalzämie. Deshalb sind regelmäßige Kontrollen (körperliche Untersuchung, biochemische Analysen, Röntgenaufnahme der Hand, Ultraschall der Nieren) erforderlich. Behandelte Patienten haben eine gute Prognose.
Quelle: Orphanet: an online rare disease and orphan drug data base. Copyright, INSERM 1997. Available on http://www.orpha.net. Accessed 19.11.2015.

Orofaziale Manifestation

Zahnanomalie (Schmelzdysplasie)

Literatur

Weblinks