Pachyonychia congenita

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Krankheitsbeschreibung

Die Pachyonychia congenita (PC) ist eine seltene Genodermatose. Wichtigste Symptome sind ein schmerzhaftes palmoplantares Keratoderma, verdickte Nägel, Zysten und weißliche Mundschleimhaut. Die Prävalenz ist nicht bekannt, weltweit wurden bisher etwa 1.000 Patienten diagnostiziert. Die PC wird als ein Spektrum verschiedener Krankheitsbilder manifest. Der Krankheitsbeginn ist unterschiedlich, die meisten Fälle sind kurz nach der Geburt auffällig, andere entwickeln erst im späten Kindesalter oder, selten, im Erwachsenenalter Symptome. Die ersten Symptome der Erkrankung sind in der Regel verdickte Nägel oder neonatale Zähne. Mindestens 3 Phänotypen von hypertropher Nageldystrophie der Füße und Hände werden gesehen: Die Nägel wachsen zu normaler Länge, haben aber eine prominente distale Hyperkeratose, wodurch sie scharf nach oben gebogen sind; die Nagelplatten enden vorzeitig und hinterlassen distal einen hyperkeratischen Bereich und eine frei exponierte Fingerspitze; oder die Nagelplatten sind dünn mit wenig oder keiner Hyperkeratose. Wenn die Kinder zu laufen beginnen, typischerweise in den ersten Lebensjahren, entwickelt sich ein fokales Keratoderma mit darunter liegenden sehr schmerzhaften Blasen. In einigen Fällen beginnt das Keratoderma erst im späteren Kindesalter. Mit etwa 12 Jahren haben die meisten Patienten ein schmerzhaftes plantares Keratoderma. Früh bildet sich eine Leukokeratose der Mundhöhle aus, die zu Fütterproblemen führen kann und von der oralen Candidiasis des Kleinkindes unterschieden werden muss. In Bereichen der Haut des Stammes und der Extremitäten, die verstärkter Reibung ausgesetzt sind (Taille, Ellenbogen und Knie), kann eine follikuläre Keratose auftreten. Weitere Symptome, die bei einigen PC Patienten gesehen werden, sind exzessives Schwitzen der Handflächen und Fußsohlen, in der Pubertät oder danach auftretende Steatokystome, axilläre oder inguinale Zysten und bei jungen Kindern eine heisere Stimme. Historisch wurden zwei Untertypen beschrieben: PC-1 und PC-2. Auf Grundlage der molekularen Ätiologie werden heute vier Untergruppen unterschieden (PC-K6a, PC-K6b, PC-K16 and PC-K17), da die PC durch dominant-negative Mutationen in mindestens vier Genen, die für Keratine kodieren (KRT6A, KRT6B, KRT16, KRT17), verursacht ist. Diese Keratine werden bevorzugt in den basalen und suprabasalen Schichten der palmoplantaren Haut, in den epidermalen Anhängen und in der Mundschleimhaut exprimiert. Die Diagnose basiert auf der klinischen Untersuchung und wird durch molekulargenetische Tests bestätigt. Differentialdiagnosen sind Varianten der PC (Steatokystoma multiplex, das sich in der Pubertät mit wenig oder ohne Nageldystrophie entwickelt, und das fokale nicht-epidermolytische palmoplantare Keratoderma) und Krankheiten die sich mit dystrophischen Nägeln manifestieren, zum Beispiel Epidermolysis bullosa, Clouston-Syndrom und erworbene Krankheiten wie Psoriasis und Lichen planus. Wenn die ursächliche Mutation bekannt ist, kann eine vorgeburtliche Diagnostik durchgeführt werden. Neuere Befunde weisen darauf hin, dass die Krankheit auch semi-dominant vererbt werden kann. Deshalb ist für eine angemessene genetische Beratung eine genaue molekulare Diagnose entscheidend. Die PC kann bisher nicht geheilt werden. Die Behandlung zielt in erster Linie auf Nagelpflege und Behandlung der durch das palmoplantare Keratoderma bedingten Schmerzen. Dazu gehören die Anwendung von Emollientien zur Verminderung der Hyperkeratose und Strategien, um Reibung und Verletzung an den Füßen zu verringern. Neuartige Behandlungsverfahren werden z.Zt. evaluiert: die Anwendung von small interfering RNA (siRNA), von systemischem und topischem Rapamycin und die Injektion von Botulinum-Toxin. In klinischen Studien werden auch Medikamente untersucht, die schon aus anderen Indikationen verwendet wurden. Mögliche Komplikationen sind sekundäre Infektionen, die aber in der Regel durch Antibiotika gut kontrolliert werden.
Quelle: Orphanet: an online rare disease and orphan drug data base. Copyright, INSERM 1997. Available on http://www.orpha.net. Accessed 17.01.2015

Orofaziale Manifestation

Zahnanomalie, Leukoplakie

Literatur

Weblinks