Opitz BBB/G-Syndrom

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Krankheitsbeschreibung

Das Opitz G/BBB-Syndrom (OS) ist eine Krankheit mit multiplen angeborenen Fehlbildungen der Mittellinie, darunter Hypertelorismus, laryngo-tracheo-ösophageale Defekte und Hypospadie. Es gibt zwei klinisch unterscheidbare genetische Subtypen des Opitz G/BBB-Syndroms: das X-chromosomale Opitz G/BBB-Syndrom (XLOS) und das autosomal-dominante Opitz G/BBB-Syndrom (ADOS). Von dem Syndrom sind vor allem männliche Patienten betroffen. Die Prävalenz des X-chromosomalen OS reicht von 1/50.000 bis 1/100.000. Die Prävalenz des autosomal-dominanten OS ist unbekannt; es gilt als Teil des Mikrodeletions-Syndroms 22q11.2 (siehe dort), das eine Prävalenz von 1:4.000 aufweist. Das Opitz-Syndrom wurde ursprünglich 2 verschiedenen Krankheiten zugeordnet, dem G-Syndrom und dem BBB-Syndrom (Die Buchstaben beziehen sich auf die Namen der zuerst beschriebenen Patienten.). Seit deutlich wurde, daß es sich um die gleiche Entität handelt, spricht man vom Opitz-B/GGG-Syndrom. Dieses seltene Syndrom vereint kranio-faziale Dysmorphien und Fehlbildungen (u.a. Hypertelorismus mit Telekanthus, breiter Nasenrücken, manchmal Lippen- oder Lippen-Kiefer-Gaumenspalte), Urogenital-Anomalien (Hypospadie, Kryptorchismus und ein hypoplastisches/bifides Skrotum betroffener Knaben, Analatresie oder ektopischer Anus), Fehlbildungen des Larynx, Pharynx und/oder der Trachea (als Ursache von Schluck- und Atemproblemen). Eine große Zahl weiterer variabler Merkmale werden ebenfalls beobachtet: Syndaktylie, angeborene Herzfehler in Form von Ventrikel- oder Vorhofseptumdefekt, linkspersistierende obere Hohlvene oder offener Ductus arteriosus, Entwicklungsverzögerung mit verzögertem Beginn der Gehfähigkeit und geistige Behinderung mit kurzer Aufmerksamkeitsspanne, Lernschwierigkeiten und Sprachstörungen. Ebenfalls beschrieben wurden Mittellinien-Defekte des Gehirns, darunter Agenesie des Corpus callosum und Agenesie oder Hypoplasie des Kleinhirnwurms. Nierenfehlbildungen wurden bei einigen schweren Fällen berichtet. Weibliche Träger weisen meist lediglich Hypertelorismus auf, in seltenen Fällen auch andere Symptome. XLOS wird durch Mutationen im MID1-Gen (Xp22) verursacht. Es kodiert für das MID1-Protein, dass als E3-Ubiquitin-Ligase mit Mikrotubuli in Verbindung steht. Es gibt eine große Bandbreite beim Erscheinungsbild und dem Schweregrad klinischer Symptome selbst zwischen Patienten mit der gleichen Mutation. Jedoch haben einige Patienten mit klinisch diagnostiziertem XLOS keine identifizierbaren Mutationen im MID1-Gen, was vermuten lässt, dass auch andere Gene oder Mutationen in regulatorischen Regionen beteiligt sein können. ADOS wird offenbar durch eine 22q11.2-Deletion verursacht. Die verursachenden Gene wurden jedoch noch nicht identifiziert. Das Opitz G/BBB-Syndrom wird auf der Basis der klinischen Befunde diagnostiziert und eine Verdachtsdiagnose wird bei männlichen Patienten mit okularem Hypertelorismus und mindestens einem der Hauptbefunde (Hypospadien oder LTE-Auffälligkeiten) gestellt. Ein molekulargenetischer Test ist aufgrund der komplizierten Ätiologie schwierig. Die Identifizierung einer MID1-Mutation bestätigt die Diagnose. XLOS und ADOS können durch die Art der Vererbung voneinander unterschieden werden. Die Differentialdiagnosen umfassen das FG-Syndrom, die Kranio-fronto-nasale Dysplasie und das Mowat-Wilson-Syndrom (siehe jeweils dort). Pränatale Tests sind möglich bei Risikoschwangerschaften, wenn eine MID1-Mutation bei einem Familienangehörigen identifiziert wurde. Eine fötale Geschlechtsbestimmung kann durch Chromosomenanalyse erfolgen, gefolgt von einem DNA-Screening auf krankheitsverursachende Mutationen. Eine genetische Beratung für betroffene junge Erwachsene wird empfohlen. Ebenso für Individuen, die Anlageträger oder mutmaßliche Träger sind. Zur Behandlung des Syndroms ist ein multidisziplinäres Team aus den Bereichen Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Ophthalmologie, Pädiatrie, Kinderurologie, Kardiologie, Pulmonologie, Humangenetik und Sprachtheraphie erforderlich. Die Behandlung umfasst vor allem korrigierende chirurgische Eingriffe. Die vorliegenden Fehlbildungen bestimmen das Ausmaß der regelmäßige Kontrollen. Die Prognose wird durch den Schweregrad bestimmt, der sich von Patient zu Patient erheblich unterscheiden kann.
Quelle: Orphanet: an online rare disease and orphan drug data base. Copyright, INSERM 1997. Available on http://www.orpha.net. Accessed 20.01.2015

Orofaziale Manifestation

Lippen-Kiefer-Gaumenspalte

Literatur

Weblinks