Noonan-Syndrom

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Krankheitsbeschreibung

Das Noonan-Syndrom (NS) ist gekennzeichnet durch Minderwuchs, typische faziale Dysmorphien und angeborene Herzfehler. Die Prävalenz unter Lebendgeborenen wird auf 1:1.000 bis 1:2.500 geschätzt. Die hauptsächlichen Gesichtsmerkmale des NS sind Hypertelorismus mit antimongoloiden Lidachsen, Ptose und tiefsitzende, nach hinten rotierte Ohren mit verdickter Helix. Die häufigsten Herzfehler beim NS sind Pulmonalstenose und hypertrophische Kardiomyopathie. Andere Symptome des NS sind Pterygium colli, Thoraxdeformität, leichte Minderbegabung, Kryptorchismus, Fütterprobleme im Säuglingsalter, Blutungsneigung und lymphatische Dysplasien. Das NS wird autosomal-dominant vererbt. Etwa die Hälfte der Fälle wird durch Missense-Mutationen im PTPN11-Gen (12q24.1) verursacht. Die Mutationen bedingen eine gesteigerte Aktivität der Nicht-Rezeptor-Protein-Tyrosin-Phosphatase SHP-2. Bei einer kleinen Zahl von Patienten mit NS wurden kürzlich Mutationen in anderen Genen der RAS-MAPK-Signaltransduktion (KRAS, SOS1 und RAF1) gefunden. Die Mutationsanalyse erfolgt in Blutproben und soll bei Verdacht auf NS immer empfohlen werden. Durch molekulare Diagnostik kann das Vorliegen eines NS aber nicht ausgeschlossen werden, denn die Sensitivität aller molekularen Tests zusammengenommen erlaubt z.Zt. nur eine Bestätigung der klinischen Diagnose in weniger als 75% der Patienten. Differentialdiagnosen sind Turner-Syndrom, Kardio-fazio-kutanes Syndrom, Costello-Syndrom, Neurofibromatose Typ 1 (NF1) und LEOPARD-Syndrom (sh. diese Termini). Eine vorgeburtliche DNA-Testung an Chorionzotten oder einer Fruchtwasserprobe ist möglich, wenn zuvor die ursächliche Mutation in der Familie gefunden wurde. Die Komplexität der Analyse und Zeitmangel erschweren jedoch das Vorgehen, wenn erst bei bekannter Schwangerschaft mit der Suche nach der ursächlichen Mutation begonnen wird. Auch eine Präimplantationsdiagnostik erscheint möglich. An das NS muss bei allen Foeten mit Hydramnion, Pleuraerguss, Ödem, verbreiterter Nackenfalte und normalem Karyotyp gedacht werden. Die Betreuung nimmt Bezug auf die Fütterprobleme im Kleinkinsalter und zielt auf eine Kontrolle der Herzfunktion, des Wachstums und der motorischen Entwicklung. Physiotherapie und logopädische Behandlung ist bei Bedarf anzubieten. In den ersten Schuljahren muss eine umfassende Prüfung des Visus und des Gehörs erfolgen. Vor Operationen ist eine Untersuchung der Blutgerinnung indiziert. Mit gezielter Betreuung und Beratung entwickeln sich die meisten Kinder normal und werden als Erwachsene normal integriert. Die Zeichen und Symptome bilden sich mit zunehmendem Alter zurück, die meisten Erwachsenen mit NS benötigen keine spezielle medizinische Betreuung mehr.
Quelle: Orphanet: an online rare disease and orphan drug data base. Copyright, INSERM 1997. Available on http://www.orpha.net. Accessed 17.11.2015.

Orofaziale Manifestation

Hämorrhagische Diathese, Hoher Gaumen

Literatur

Weblinks