Neutropenie,kongenitale schwere,autosomal-dominante

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Krankheitsbeschreibung

Die schwere kongenitale Neutropenie ist eine primäre konstitutionelle Anomalie. Charakteristisch für diese genetisch bedingte Agranulozytose ist eine niedrige Zahl der Neutrophilen (<200/mm3) bei Kindern, die daneben keine klinischen Symptome oder Laborwerte aufweisen, die auf eine spezifische Krankheit hindeuten könnten. Bis März 2003 wurden im Französischen Register für Kongenitale Neutropenie insgesamt 101 Fälle registriert. Die Prävalenz der schweren kongenitalen Neutropenie liegt bei Geburt unter 1/300.000. Die Hauptsymptome sind zytologischer Art: Im Knochenmark besteht neben einer Eosinophilie und Monozytose ein vollständiger Block der Granulozytenbildung auf der Stufe der Promyelozyten. Im Gefolge dieser Neutropenie kommt es immer wieder in den verschiedensten Lokalisationen zu Infektionen. Am häufigsten sind Infektionen der Haut und Schleimhäute, der Ohren, der Nase, des Rachens und der Lunge. Nach dem 2. Lebensjahr bestehen praktisch immer Veränderungen in der Mundhöhle: eine erosive Gingivitis mit Blutungen und Schmerzen und Papeln an der Zunge und den Schleimhäuten. Etwa 10% der Patienten entwickeln ein myelodysplastisches Syndrom. Bei einem Drittel der Fälle sind Mutationen im ELA2-Gen (Chromosomenregion 19p13.3) der Neutrophilen-Elastase nachweisbar. Dieses Enzym ist an den proteolytischen und antibakteriellen Funktionen der Granulozyten beteiligt. Es scheint, daß die Mutationen zu einer gesteigerten Funktion der Elastase führen ('gain of function'), mit der Neutropenie als Folge einer excessiven Apoptose der Neutrophilen. Die Fälle von kongenitaler Neutropenie mit ELA2-Mutationen bilden eine auch klinisch gut definierte Gruppe, während die übrigen Fälle, bei denen eine solche Mutation nicht gefunden werden kann, innerhalb der Entität, wie sie Kostmann definierte, mehr heterogene Phänotypen zeigen. Hämatopoetische Wachstumsfaktoren, z.B. der Granulozyten-Kolonie-stimulierende Faktor (G-CSF), können sowohl die Neutropenie als auch die erhöhte Infektionsneigung korrigieren. Es besteht aber der Verdacht, daß eine längerdauernde hohe Dosierung von G-CSF das Leukämie-Risiko erhöht. Die Langzeittherapie mit G-CSF muß deshalb einer Kosten-Nutzen-Analyse unterzogen werden, wobei aber zu bedenken ist, daß auch die Alternative, eine Knochenmarktransplantation, ungünstige Nebenwirkungen haben kann.
Quelle: Orphanet: an online rare disease and orphan drug data base. Copyright, INSERM 1997. Available on http://www.orpha.net. Accessed 25.04.2014

Orofaziale Manifestation

Erosive Gingivitis mit Blutungen und Schmerzen und Papeln an der Zunge und den Schleimhäuten

Literatur

Weblinks