Mukopolysaccharidose Typ 4A

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Krankheitsbeschreibung

Die Mukopolysaccharidose Typ IV (MPS IV) ist eine lysosomale Speicherkrankheit. Sie ist gekennzeichnet durch eine Spondylo-epiphyseo-metaphysäre Dysplasie. Es existieren zwei Formen, der Typ A und der Typ B. Die Prävalenz des Typ IVA ist etwa 1:250.000, mit großen Unterschieden zwischen einzelnen Ländern. MPS IVB ist noch seltener. Die MPS IVA ist eine spondylo-epiphyseo-metaphysäre Dysplasie und wird meist im zweiten Lebensjahr, nach Erlernen des Laufens, diagnostiziert. Die Skelettdeformitäten (Platyspondylie, Kyphose, Skoliose, Pectus carinatum, Genu valgum, Deformitäten der langen Knochen) nehmen mit dem Wachstum des Kindes an Stärke zu. Eine Überstreckbarkeit der Gelenke ist begleitet von häufigen Luxationen (Hüfte und Knie). Die Skelettbeteiligung behindert nicht nur das Gehen und die täglichen Aktivitäten, Sie führt auch im Alter von etwa 8 Jahren zum Stillstand des Wachstums, je nach Schweregrad der Krankheit mit einer Endgröße von 1-1,5 Metern. Die Skelettdeformitäten können auch zu neurologischen Ausfällen führen. Im Alter von 5-6 Jahren verursacht eine Hypoplasie des Processus odontoides zusammen mit der Schlaffheit der Gelenke eine Instabilität im Bereich der beiden ersten Halswirbel mit dem Risiko einer Kompression des Halsmarks. Symptome außerhalb des Skeletts sind Atemstörungen, Hepatomegalie, Veränderungen der Herzklappen, Hörverlust und Hornhauttrübung. Die Intelligenz ist normal. Die Symptome des Typs IVB sind ganz ähnlich, und klinisch können die beiden Typen nicht unterschieden werden, da sie beide in verschiedenen Schweregraden auftreten. Ursache der Untertypen der MPS IV ist der Mangel eines von zwei am Abbau des Keratansulfats (KS) beteiligter Enzyme: N-Acetylgalactosamin-6-sulfat-Sulfatase bei MPS IVA, und Beta-D-Galactosidase bei MPS IVB. Die Gene, die für diese beiden Enzyme kodieren, wurden kartiert und kloniert (GALNS in 16q24 und GLB1 in 3p21.33). Im GALNS-Gen wurden 118 verschiedene pathogene Mutationen identifiziert. Beide Untertypen der MPS IV werden autosomal-rezessiv vererbt. Die Diagnose basiert auf dem Nachweis einer vermehrten Ausscheidung von KS im Urin (die aber nicht konstant ist) und auf dem Nachweis von Galactosyl-Oligoaccharid im Urin bei MPS IVB. Die Messung des Enzymmangels in kultivierten Leukozyten oder Fibroblasten bestätigt die Diagnose. Durch die Bestimmung der Enzymaktivität werden alle anderen Osteo-Chodrodysplasien ausgeschlossen. Die Unterscheidung der allelischen Krankheiten MPS IVB und GM1-Gangliosidose Typ 3 (s. dort) ist bei Kindern oft schwierig. Wenn in einer Familie die Mutationen bekannt sind, ist in den folgenden Schwangerschaften eine vorgeburtliche Diagnostik durch molekulare Analyse in Trophoblasten oder Amniozyten möglich (sonst durch Messung der Enzymaktivität). Da die Intubierung bei Patienten mit MPS IV schwierig ist, können bei einer Narkose Probleme auftreten. Die allogene Knochenmark-Transplantation hat auf die Knochensymptome keinen Einfluss. Daher ist die Behandlung rein symptomatisch (Prothesen, chirurgische Eingriffe, Wirbelfusion zur Stabilisierung des Halses). Gegenwärtig wird eine Therapie der Knochenläsionen mit rekombinanten Enzymen entwickelt. Die Prognose wird durch den Schweregrad der Erkrankung und durch die Qualität der Behandlung bestimmt. Mit guter Behandlung können die Patienten älter als 50 Jahre werden.
Quelle: Orphanet: an online rare disease and orphan drug data base. Copyright, INSERM 1997. Available on http://www.orpha.net. Accessed 17.11.2015.

Orofaziale Manifestation

Zahnanomalien

Literatur

Weblinks