Mowat-Wilson-Syndrom

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Krankheitsbeschreibung

Das Mowat-Wilson-Syndrom (MWS) ist ein 'Multiple-congenital-anomaly'-Syndrom. Symptome sind ein distinkter fazialer Phänotyp (hohe, vorgewölbte Stirn; lange Augenbrauen, die medial ausgebreitet und im mittleren Anteil spärlich sind; Hypertelorismus; tiefliegende, aber große Augen; große, aufwärts gerichtete Ohrläppchen mit zentraler Einsenkung; Sattelnase mit prominenter abgerundeter Nasenspitze; prominente Columella, offener Mund mit M-förmiger Oberlippe, häufiges Lächeln; prominentes, schmales, dreieckiges Kinn), moderate bis schwere geistige Behinderung, ein zerebrales Krampfleiden und verschiedene angeborene Fehlbildungen, darunter Hirschsprung-Krankheit (HSCR), Urogenital-Anomalien (im männlichen Geschlecht vor allem Hypospadie), angeborene Herzfehler, Agenesie des Corpus callosum und Augenanomalien. Die Prävalenz des MWS ist noch nicht bekannt, bisher wurden 171 Patienten beschrieben. Wahrscheinlich wird das MWS noch zu selten diagnostiziert, vor allem bei Patienten ohne HSCR. Ursache des MWS sind heterozygote Mutationen im ZEB2/ZFHX1B/SIP1-Gen (SMAD-interacting protein 1, 2q22). Bei Patienten mit typischer Symptomatik wurden bisher mehr als 100 Deletionen und Mutationen beschrieben. Oft handelt sich um Deletionen des ganzen Gens oder um Kettenabbruch-Mutationen, sodass wahrscheinlich Haploinsuffizienz den hauptsächlichen pathogenetischen Mechanismus darstellt. Die Genotyp-Phänotyp-Analyse ergab, dass es sich bei der fazialen 'Gestalt' und der verzögerten psychomotorischen Entwicklung um konstante klinische Merkmale handelt. während die häufigen und schweren angeborenen Fehlbildungen abhängig vom Ort der Mutation auftreten. Bei einer kleinen Zahl von Patienten verursachten ungewöhnliche Mutationen eine atypische Symptomatik. Für eine erste klinische Diagnose ist der faziale Phänotyp besonders wichtig und rechtfertigt eine Mutationssuche im ZEB2-Gen, auch bei Fehlen einer HSCR. Die meisten bisher beschriebenen MWS-Fälle waren sporadisch, das Wiederholungsrisiko ist also gering. Geschwisterfälle sind aber bekannt geworden. Die angeborenen Fehlbildungen und das Krampfleiden erfordern sorgfältige klinische Untersuchung mit Beteiligung mehrerer Spezialisten (darunter Neonatologen und Pädiater). Bei allen Patienten ist die psychomotorische Entwicklung verzögert, mit rehabilitativen Maßnahmen (Physiotherapie, psychomotorische und Sprachtherapie) sollte daher so früh wie möglich begonnen werden.
Quelle: Orphanet: an online rare disease and orphan drug data base. Copyright, INSERM 1997. Available on http://www.orpha.net. Accessed 25.04.2014

Orofaziale Manifestation

Offener Mund mit M-förmiger Oberlippe, Zahnanomalien (Dentitio tarda)

Literatur

  • Wilson, M., Mowat, D., Dastot-Le Moal, F., Cacheux, V., Kaariainen, H., Cass, D., Donnai, D., Clayton-Smith, J., Townshend, S., Curry, C., Gattas, M., Braddock, S., Kerr, B., Aftimos, S., Zehnwirth, H., Barrey, C., Goossens, M.Further delineation of the phenotype associated with heterozygous mutations in ZFHX1B.Am. J. Med. Genet. 119A: 257-265, 2003. PMID 12784289
  • PMID 20301585
  • PMID 17958891

Weblinks