Morbus Osler

Aus ROMSEWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Krankheitsbeschreibung

Die Rendu-Osler-Weber-Krankheit, auch Hereditäre hämorrhagische Teleangiektasie (HHT) genannt, ist eine Störung der Angiogenese mit arterio-venösen Erweiterungen, die als hämorrhagische Teleangiektasien der Haut und Schleimhäute und als 'viszerales Shunting' in Erscheinung treten. Die Prävalenz schwankt zwischen 1:5.000 und 1:8.000. Die häufigsten klinischen Symptome sind chronisches Nasenbluten, das manchmal schon bei Kindern eine Anämie erzeugt, und Haut- oder Schleimhaut-Teleangiektasien in typischen Lokalisationen, die bei Erwachsenen auftreten und mit dem Alter zunehmen. Viszerale arterio-venöse Malformationen (AVMs) bleiben entweder symptomlos oder verursachen sehr vielfältige Symptome: AVMs in der Lunge verursachen Hirnabszesse, transiente ischämische Attacken, Symptome chronischer Hypoxie und Blutungen; AVMs im Zentralnervensystem verursachen leichte Hirndruckzeichen oder Blutungen; AVMs in der Leber bleiben lange Zeit symptomlos. Bei einem kleinen Teil der Patienten verursachen sie jedoch schwere klinische Symptome mit verstärktem Blutzufluss zum Herzen, portaler Hypertension, Lungenhochdruck oder pseudo-obstruktiver Cholangitis; blutende AVMs im Verdauungstrakt nehmen mit zunehmendem Alter an Größe zu und verstärken die Anämie. Die HHT ist eine genetische Erkrankung mit Mutationen vor allem in zwei Genen, ACVRL1 (12q11-q14) und ENG (9q34.1) aus der Signalkette des Transforming-Growth-Faktor (TGF)-beta. Das Gleichgewicht in der Angiogenese der Kapillaren ist dadurch gestört und es kommt zu exzessiver Gefäßneubildung mit progredienter Teleangiektasie und arterio-venösen Fisteln. In einigen seltenen Fällen mit SMAD4-Mutationen (18q21.1) ist die HHT mit Juveniler Polyposis (s. dort) assoziiert. Die Vererbung ist autosomal-dominant mit im Alter von 50 Jahren fast vollständiger Penetranz. Die Diagnose wird, den Curaçao-Kriterien folgend, klinisch gestellt: (i) Rezidivierendes Nasenbluten, (ii) Haut- und Schleimhaut-Teleangiektasien, (iii) Erblichkeit der Symptome. Die Beteiligung von Lunge oder Leber oder Zentralnervensystem kann eines dieser drei Zeichen ersetzen. Bei Erfüllung dieser Kriterien können molekulare Tests die Diagnose bestätigen und die Mutation in der Familie identifizieren. Differentialdiagnosen sind das CREST-Syndrom, der Lungenarterien-Hochdruck (s. diese Termini) und die benigne hereditäre Teleangiektasie. Außer in schweren Fällen wird eine vorgeburtliche Diagnostik nicht empfohlen. Das Betreuung der Patienten zielt auf die Kontrolle der Anämie und auf Prävention und Therapie des Nasenblutens. Das Management der AVMs besteht in deren früher Erkennung und Okkludierung, abhängig von der Lokalisation oft durch interventionelle Radiologie. Bei Beteiligung der Leber ist eine Lebertransplantation erforderlich, solange nicht die Wirksamkeit anti-angiogener Verbindungen wie Thalidomid und Anti-VEGF (Vascular Endothelial Growth Factor)-Antikörpern erwiesen und anerkannt ist. Die Prognose wird durch die Beteiligung der inneren Organe bestimmt. Die meisten Patienten haben eine normale Lebenserwartung. Über den Tod während einer Schwangerschaft wurde bei Patientinnen mit nicht erkannten arterio-venösen Fisteln der Lunge berichtet.
Quelle: Orphanet: an online rare disease and orphan drug data base. Copyright, INSERM 1997. Available on http://www.orpha.net. Accessed 20.01.2015

Orofaziale Manifestation

Teleangiektasien der Mundschleimhäute

Literatur

Weblinks