Kallmann-Syndrom

Aus ROMSEWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Krankheitsbeschreibung

Das Kallmann-Syndrom (KS) ist eine angeborene genetische Krankheit. Charakteristisches Merkmal ist ein hypogonadotroper Hypogonadismus (HH), als Folge eines Mangels des Gonadotropin-releasing-Hormons (GnRH), in Kombination mit Anosmie oder Hyposmie (mit Hypoplasie oder Aplasie des Bulbus olfactorius). Die Prävalenz bei Männern wurde auf 1 :8.000 und bei Frauen auf 1 :40.000 geschätzt. Evtl. wird das KS aber zu selten diagnostiziert. Die meisten Fälle werden zur Zeit der Pubertät erkannt, wenn die Geschlechtsentwicklung ausbleibt. Das KS kann aber schon im Säuglingsalter bei Knaben mit Kryptorchismus und Mikropenis vermutet werden. Hauptsächliche klinische Symptome sind das Ausbleiben einen spontanen Pubertät und ein teilweises oder völliges Fehlen des Geruchssinns (Anosmie) in beiden Geschlechtern. Bei einigen Patienten werden auch gespiegelte Mitbewegungen der Arme (bimanuelle Synkinese), ein- oder beidseitige Nierenaplasie, Lippen-Kiefer-Gaumenspalte, Hypodontie und Schwerhörigkeit gefunden. Grundlage des Kallmann-Syndroms ist eine gestörte Entwicklung des olfaktorischen Systems und die fehlende Migration der GnRH-synthetisierenden Neurone vom Riechepithel in die hypothalamische Hirnregion. Überwiegend wurde über sporadische Fälle berichtet. Familiäre Fälle zeigen drei Vererbungsmuster: X-chromosomal-rezessiv, autosomal-dominant (mit unvollständiger Penetranz) und seltener autosomal-rezessiv. In noch nicht bestimmter Häufigkeit kann digene oder oligogene Vererbung vorliegen. Bisher wurden fünf ursächlich beteiligte Gene identifiziert: KAL1 (Xp22.3) ist verantwortlich für die X-chromosomale Form, und die Gene FGFR1 (8p12), FGF8 (10q24), PROKR2 (Prokineticin-Rezeptor 2, 20p13) und PROK2 (Prokineticin 2, 3p21.1) sind verantwortlich für die autosomalen Formen. Weitere KS-Gene müssen noch identifiziert werden, denn Mutationen werden bisher nur bei weniger als 30% der Patienten gefunden. Zur Diagnose führen endokrinologische Untersuchungen (quantitative Bestimmung der Geschlechtshormone, GnRH-Stimulationstest), sowie qualitative und quantitative Analyse des Riechvermögens (Olfaktometrie). Eine morphologische Untersuchung der Riechlappen mit Magnetresonanz-Bildgebung (MRI) ist besonders bei jungen Kindern hilfreich, da bei ihnen der Geruchssinn schwierig zu untersuchen ist. Differentialdiagnosen sind der isolierte GnRH-Mangel (Idiopathischer hypogonadotroper Hypogonadismus mit normalem Riechvermögen) und das CHARGE-Syndrom, bei dem das KS mit verschiedenen anderen Entwicklungsstörungen kombiniert ist (s. diese Termini). Gegenstand der genetischen Beratung sind die unterschiedlichen Erbgänge, die auch innerhalb einer Familie große klinische Variabilität und die Möglichkeit einer Neumutation im FGFR1-Gen bei sporadischen Fällen. Die Hormonersatz-Therapie zielt zunächst auf die Induktion der Pubertät und dann auf das Erreichen der Fertilität. Eine Behandlung der Anosmie gibt es nicht. Die Therapie führt in allen Fällen zur Pubertät, in den meisten Fällen wird auch Fertilität erreicht.
Quelle: Orphanet: an online rare disease and orphan drug data base. Copyright, INSERM 1997. Available on http://www.orpha.net. Accessed 22.04.2014

Orofaziale Manifestation

Lippen-Kiefer-Gaumenspalte, Zahnanomalien ( Hypodontie)

Literatur

Weblinks