KID-Syndrom

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Krankheitsbeschreibung

Das Keratitis-(hystrix-ähnliche) Ichthyose-Schwerhörigkeit (deafness)-Syndrom (KID/HID) ist eine seltene kongenitale ektodermale Krankheit mit vaskularisierender Keratitis, hyperkeratotischen Hautläsionen und Hörverlust. Weniger als 100 Fälle wurden bisher beschrieben. Die Patienten fallen meist schon bei der Geburt mit generalisiertem Erythem und ichthyosiformer Schuppung auf. Die Hautveränderungen (Erythrokeratodermie mit scharf begrenzten erythematösen und keratotischen Plaques mit verrukösem Aussehen vor allem im Gesicht, an Kopfhaut, Ohren, Ellenbogen und Knien) sind progredient. Andere Hautveränderungen bei einigen Fällen sind: Tiefe Furchen um den Mund; palmo-plantare Hyperkeratose (PPHK) mit ledriger, körniger Keratodermie; follikuläre HK am Stamm und stachelige HK (hystrix-ähnliche Ichthyose). Die Hautveränderungen sind infektionsanfällig, über seltene Fälle mit schweren, rezidivierenden Infektionen und Sepsis wurde berichtet. Häufige Symptome sind auch Nageldystrophie, Alopezie, spärliche oder fehlende Augenbrauen und Wimpern. Patienten mit KID/HID haben ein erhöhtes Risiko für Plattenepithel- und Zungenkarzinome. Die Schwerhörigkeit ist angeboren, meist sensorisch-neural und oft hochgradig. Augensymptome können bei einigen Patienten fehlen, wenn sie aber bestehen, liegt der Beginn meist in der Kindheit oder der Adoleszenz, mit Photophobie, punktförmiger Keratitis und progredienter Vaskularisierung der Kornea mit Verlust der Sehfähigkeit. Der gleichzeitige Verlust des Hör- und Sehvermögens kann eine schwere Entwicklungsverzögerung zur Folge haben. Bei einigen Fällen wurden auch zerebelläre und neuromuskuläre Defekte beschrieben. Ursache des KID/HID-Syndroms sind Mutationen im GJB2-Gens (13q11-q12) des Genproduktes Connexin-26. Ein Patient mit KID und Atrichie hatte eine Mutation im GJB6-Gen (13q12), das für Connexin-30 kodiert. Die meisten publizierten Fälle waren sporadisch, familiäre Fälle folgten autosomal-dominanter Vererbung. Beschrieben wurden auch einige Fälle von KID-Syndrom mit elterlichem Keimzellmosaik des GJB2-Gens. Die Verdachtsdiagnose folgt aus den dermatologischen, ophthalmologischen und audiologischen Befunden. Die histologischen Befunde (Akanthose und orthokeratotische HK) sind unspezifisch. Zum Nachweis von Kleinhirnanomalien kann MRI erforderlich sein. Die Diagnose wird durch molekulare Analyse bestätigt. Differentialdiagnostisch abzugrenzen sind Krankheiten aus der Gruppe der Erythrokeratodermien, sowie das Clouston-Syndrom und die Keratosis follicularis spinulosa decalvans. Den Familien muss eine genetische Beratung angeboten werden. Das Wiederholungsrisiko für Kinder betroffener Eltern beträgt 50%. Segmentale Hautveränderungen können Ausdruck eines somatischen Mosaiks sein. Wegen der gleichzeitigen Möglichkeit eines Keimzellmosaiks haben Kinder ein Risiko, die generalisierte Form zu erben. Wenn bei einem Indexfall (mit generalisierter oder segmentaler Form) die ursächliche Mutation bekannt ist, kann der Familie eine vorgeburtliche Diagnose angeboten werden. Nur eine symptomatische Behandlung ist möglich. Die systemische Anwendung von Retinoiden bei Patienten mit KID/HID ist umstritten. Eine Reihe von Autoren empfiehlt, stattdessen die Hautmanifestationen ausschließlich topisch (milde Emollientia und Keratolytika) zu behandeln. KID/HID-Patienten sollten regelmäßig in Hinblick auf ein mögliches Schleimhautkarzinom untersucht werden. Empfohlen werden sorgfältige Augen- und HNO-Verlaufskontrollen und die Aufnahme der Patienten in Entwicklungsprogramme für kombinierten Hör- und Sehverlust. In einigen Fällen waren Cochlea-Implantate hilfreich. Die Prognose der Patienten mit KID/HID-Syndrom ist unterschiedlich. Zwar sind Fälle mit letalem Ausgang selten, aber die Hautveränderungen bleiben bestehen, sind oft schwerwiegend und durch rezidivierende Infektionen kompliziert, und es besteht ein erhöhtes Risiko für Schleimhautkarzinome.
Quelle: Orphanet: an online rare disease and orphan drug data base. Copyright, INSERM 1997. Available on http://www.orpha.net. Accessed 23.04.2014

Orofaziale Manifestation

Erhöhtes Risiko zur Entwicklung von Karzinomen der Mundschleimhaut

Literatur

Weblinks