Joubert-Syndrom

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Krankheitsbeschreibung

Das Joubert-Syndrom (JS) ist gekennzeichnet durch angeborene Fehlbildungen des Hirnstamms und Agenesie oder Hypoplasie des Kleinhirnwurms. Die Folge sind ein abnormes Atmungsmuster, Nystagmus, Muskelhypotonie, Ataxie und verzögerte motorische Entwicklung. Die Prävalenz wird auf etwa 1:100.000 geschätzt. Häufige Symptome in der Neonatalzeit sind unregelmäßiges Atmungsmuster (episodische Tachypnoe und/oder Apnoe) und Nystagmus. Im Kleinkindalter kann Muskelhypotonie hinzukommen. Später entwickelt sich eine zerebelläre Ataxie (schwankender Gang, gestörtes Gleichgewicht). Häufig werden die motorischen Meilensteine erst verspätet erreicht. Die kognitiven Fähigkeiten sind sehr verschieden und reichen von schweren Defiziten bis zu normaler Intelligenz. Bei der neuro-ophthalmologischen Untersuchung wird evtl. eine okulo-motorische Apraxie nachgewiesen. Einige Patienten haben zerebrale Anfälle. Charakteristische kraniofaziale Anomalien sind: Großer Kopf, prominente Stirn, hohe und gerundete Augenbrauen, Epikanthus, Ptose (gelegentlich), aufgeworfene Nase mit prominenten Nasenlöchern, offener Mund (mit wechselnder Form, anfangs oval, später rhomboid, zuletzt dreieckig mit abwärts gerichteten Mundwinkeln), vorstehende, rhythmisch bewegte Zunge und gelegentlich tiefsitzende, nach hinten rotierte Ohren. Gelegentlich auftretende Symptome des JS sind Netzhautdystrophie, Nephrophthise und Polydaktylie. Das Syndrom ist genetisch heterogen, bisher wurden 7 Gene (AHI1, 6q23; NPHP1, 2q13; CEP290, 12q21; TMEM67, 8q22; RPGRIP1L, 16q12; ARL13B, 3p12.3-q12.3; CC2D2A, 4p15) und 2 Genorte (JBTS1, 9q34; CORS2/JBTS2,11p12-q13) für das JS identifiziert. Die Vererbung ist autosomal-rezessiv. Zur Diagnose führen die hauptsächlichen klinischen Symptome (Hypotonie, Ataxie, Entwicklungsverzögerung, okulomotorische Apraxie) zusammen mit einem kennzeichnenden neuroradiologischen Befund im MRI, dem sog. 'Backenzahnzeichen' (MTS, aus der Hypoplasie des Kleinhirnwurms und Fehlbildungen des Mittel- und Rautenhirns resultierend). Differentialdiagnosen sind dem Joubert-Syndrom verwandte Krankheiten (JSRD), Fehlbildungen des Kleinhirnwurms ohne MTS (z.B. die Dandy-Walker-Malformation), X-chromosomale Kleinhirn-Hypoplasie, die Typen 1 und 2 der okulomotorischen Apraxie (AOA1 und AOA2), kongenitale Glykosylierungsstörungen (CDG), 3-C-Syndrom, ponto-zerebelläre Hypoplasien/Atrophien, die Oro-fazio-digitalen Syndrome II und III und das Meckel-Gruber-Syndrom (s. diese Termini). Den Eltern muss eine genetische Beratung angeboten werden. Die vorgeburtliche Diagnostik ist mit bildgebenden Verfahren (Ultraschall, MRI) möglich, dazu mit molekularer Testung, wenn in einer betroffenen Familie beide Mutationen bekannt sind. Die Behandlung ist symptomatisch und erfordert ein multidisziplinäres Team. Die Hypotonie und die motorische Entwicklung werden durch pädagogische Förderprogramme und durch Ergotherapie, Beschäftigungs- und Sprachtherapie günstig beeinflusst. Patienten mit leichteren Verläufen haben eine günstige Prognose. Patienten mit schwereren Formen sollen in einem spezialisierten Referenzzentrum betreut werden.
Quelle: Orphanet: an online rare disease and orphan drug data base. Copyright, INSERM 1997. Available on http://www.orpha.net. Accessed 22.04.2014

Orofaziale Manifestation

Offener Mund, auffällige Mundform

Literatur

Weblinks