Hyper-IgE-Syndrom, autosomal dominantes

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Krankheitsbeschreibung

Das autosomal-dominante Hyper-IgE-Syndrom (AD-HIES) ist eine sehr seltene primäre Immundefizienz und gekennzeichnet durch die klinische Trias (i) hohe Serum-IgE-Spiegel (>2000 IU/ml); (ii) rezidivierende, durch Staphylokokken verursachte Hautabszesse; und (iii) rezidivierende Pneumonien mit Bildung von Pneumatozelen. Die Jahres-Inzidenz wird auf 1: 1 Million geschätzt. Bisher wurden in der Literatur etwa 250 Fälle beschrieben. In typischen Fällen wird das AD-HIES zuerst als Neugeborenen-Ekzem manifest. Aber zum klinischen Bild gehören mit unterschiedlichen Schweregraden auch Beteiligungen des Immunsystems, des Bindegewebes, des Skeletts und der Zahnentwicklung. Hautabszesse, Pneumonie mit Bildung von Pneumatozelen, muko-kutane Candidiasis, erhöhte IgE-Serumspiegel und Eosinophilie sind beim AD-HIES die häufigsten Zeichen der Immundefizienz und -dysregulation. Beschrieben wurden auch eine charakteristische Fazies (Gesichtsasymmetrie, prominente Stirn, tiefliegende Augen, breiter Nasenrücken, fleischige Nasenspitze) und Mittellinien-Anomalien. Wiederkehrende pathologische Frakturen sind ein Hinweis auf den multisystemischen Charakter des AD-HIES. Sie treten bei etwa der Hälfte der Patienten auf und betreffen vor allem die langen Knochen und Rippen und eher weniger die Wirbelsäule.. Etwa zwei Drittel der Patienten haben eine Skoliose. Ein regelmäßiges Merkmal des AD-HIES sind Anomalien der Zahnentwickung. Eine verminderte Wurzelresorption der Milchzähne ist wahrscheinlich die Ursache der verlängerten Retention des primären Gebisses. Hierdurch wird der normale Durchbruch des Dauergebisses gestört. Die meisten Fälle von HIES sind sporadisch, nur wenige Familien mit autosomal-dominanter Vererbung des AD-HIES-Phänotyps wurden beschrieben. In 70% dieser Familien wurden heterozygote Mutationen im STAT3-Gen (17q21) gefunden. STAT3 (signal transducer and activator of transcription 3) spielt eine wichtige Rolle bei der Signaltransduktion einer größeren Zahl von Zytokinen und ist entscheidend für die Regulation der Th17-Zellen durch IL-6. Diese Zellen kontrollieren Infektionen durch Pilze und extrazelluläre Bakterien. Die Ursache bei den restlichen 30% der Patienten ist nicht bekannt. Beschrieben wurde auch ein autosomal-rezessiv vererbtes, klinisch distinktes Hyper-IgE-Syndrom (AR-HIES, s. dort). Das National Institute of Health hat 1999 ein gern verwendetes klinisch-diagnostisches Score-System für die Beurteilung von HIES-Patienten definiert. Da bei 70% der Patienten eine Mutation im STAT3-Gen erwartet werden kann, ist die Sequenzierung dieses Gens indiziert. Differentialdiagnosen sind neben Zystischer Fibrose und Chronisch-granulomatöser Krankheit (s. diese Termini) auch schwere atopische Dermatitis und HIV-Infektion. Im Mittelpunkt der Behandlung stehen eine gegen Staphylokokken gerichtete antibiotische Prophylaxe und die Dekontamination der Haut. HIES ist mit signifikanter Morbidität und Mortalität verbunden, aber Fortschritte in der medizinischen Versorgung, enge Überwachung und gute Mitarbeit der Patienten haben die Prognose der Patienten verbessert, mit einem Überleben bis zum 50. Lebensjahr und darüber hinaus.
Quelle: Orphanet: an online rare disease and orphan drug data base. Copyright, INSERM 1997. Available on http://www.orpha.net. Accessed 17.04.2014

Orofaziale Manifestation

Zahnanomalien (dentitio tarda). Aufgrund einer verminderten Wurzelresorption der Milchzähne ist der normale Durchbruch der Dentes permanentes gestört. Häufig Candida-Befall

Literatur

  • Grimbacher, B., Holland, S. M., Gallin, J. I., Greenberg, F., Hill, S. C., Malech, H. L., Miller, J. A., O'Connell, A. C., Puck, J. M.Hyper-IgE syndrome with recurrent infections--an autosomal dominant multisystem disorder.New Eng. J. Med. 340: 692-702, 1999. PMID 10053178
  • PMID 22085750
  • PMID 21700278
  • PMID 20301786
  • PMID 17676033

Weblinks