Hydrolethalus-Syndrom

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Krankheitsbeschreibung

Das Hydrolethalus-Syndrom wurde zuerst von finnischen Autoren beschrieben und vom Meckel-Syndrom abgegrenzt. Beiden Syndromen gemeinsam sind autosomal-rezessive Vererbung, Letalität, Hirnfehlbildungen und Polydaktylie. Anders als beim Meckel-Syndrom fehlen beim Hydrolethalus Nieren- und Leberzysten, und die Hirnfehlbildung ist ein Hydrozephalus (nicht eine Enzephalozele wie beim Meckel-Syndrom). Die Diagnose wird durch ein oft schweres Hydramnion gestützt und bei spontanem Verlauf der Schwangerschaft durch Frühgeburt. Die minimaldiagnostischen Kriterien bei Feten und Neugeborenen sind Hydrozephalus, Mikrogenie (hypoplastischer Unterkiefer) und Polydaktylie. Die erweiterten Seitenventrikel münden medial in einen füssigkeitsgefüllten Raum, in dem Corpus callosum und Septum pellucidum fehlen. Deshalb liegen die Hirnhemisphären voneinander getrennt. Der Kleinhirn-Wurm ist hypoplastisch oder fehlt. Das Hinterhauptbein hat einen schlüssellochartig geformten Knochendefekt. Die Polydaktylie ist an den Händen postaxial und an den Füßen präaxial. Die Patienten haben Klumpfüße. Der Unterkiefer ist immer klein, die Nase ist deformiert, die Augen liegen tief. Etwa die Hälfte der Patienten hat einen großen Herzseptumdefekt. Weitere Symptome sind Atemwegsstenosen (Larynx, Trachea oder Bronchus), abnorme Genitalien (u.a. Uterus duplex und ektopische Testes) und abnorme Lungenlappung. Einzelne Fälle hatten eine Holoprosenzephalie oder Anenzephalie. Schon am Ende des 1. Trimenon kann das Syndrom sonographisch erkannt werden, wenn ein vorangegangenes Kind betroffen war. Ohne einen Indexfall ist die Differentialdiagnose zu anderen Fehlbildungs-Syndromen mit Mittelliniendefekt und einfachem Erbgang (Pallister-Hall-S., Pseudo-Trisomie-13-S., Oro-facio-digitales S. Typ IV oder VI, Joubert-S., schwere Form des Smith-Lemli-Opitz-S.) schwierig. Die Prävalenz bei der Geburt ist in Finnland etwa 1/20.000. Allein von dort kommen 56 Literaturfälle. Aus anderen Ländern wurden weniger als 10 Fälle beschrieben. In der Regel werden die Kinder tot geboren oder versterben kurz nach der Geburt. Ein Patient war noch nach 6 Wochen am Leben, ein anderer verstarb erst im Alter von 7 Monaten. Das ursächliche Gen wurde in finnischen Familien in die Region 11q23-q25 zwischen die DNA-Marker D11S933 und D11S934 kartiert. Die Geburtsorte der Großeltern der finnischen Patienten sind über ganz Finnland verteilt. Es ist dies ein Hinweis auf eine sehr frühe Ausbreitung der Mutation in der finnischen Bevölkerung. (Mutationen, die erst in neuerer Zeit auftraten oder eingeführt wurden, sind erkennbar an regionaler Ballung der großelterlichen Geburtsorte.)
Quelle: Orphanet: an online rare disease and orphan drug data base. Copyright, INSERM 1997. Available on http://www.orpha.net. Accessed 17.04.2014

Orofaziale Manifestation

Mikrogenie, Dysgnathie

Literatur

  • Putoux, A., Thomas, S., Coene, K. L., Davis, E. E., Alanay, Y., Ogur, G., Uz, E., Buzas, D., Gomes, C., Patrier, S., Bennett, C. L., Elkhartoufi, N., and 27 others.KIF7 mutations cause fetal hydrolethalus and acrocallosal syndromes. (Letter)Nature Genet. 43: 601-606, 2011. PMID 21552264

Weblinks