Holoprosenzephalie

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Krankheitsbeschreibung

Die Holoprosenzephalie (HPE) ist eine komplexe Hirnfehlbildung, verursacht durch unvollständige Teilung des Prosenzephalon zwischen dem 18. und 20. Tag der Schwangerschaft mit Auswirkung auf Stirnhirn und Gesicht. Die Prävalenz unter Lebendgeborenen wird auf 1:16.000, unter frühen Embryonen auf 1:250 geschätzt. Drei Formen mit zunehmendem Schweregrad wurden beschrieben: Lobare, semi-lobare und a-lobare HPE. Auch eine milde Variante der HPE wurde beschrieben, die Mittlere interhemisphärische Variante (MIHF) oder Syn-Telenzephalie. In den meisten Fällen von HPE bestehen faziale Anomalien, z.B. Zyklopie, Proboscis, mediane oder in schweren Fällen beidseitige Lippen-Kiefer-Gaumenspalte, okulärer Hypertelorismus oder bei minimaler Ausprägung ein solitärer mittlerer oberer Schneidezahn. Diese zuletzt genannten Mittelliniendefekte können ohne Hirnfehlbildung auftreten und werden dann als Mikroformen bezeichnet. Kinder mit HPE haben viele medizinische Probleme: Entwicklungsverzögerung, erschwertes Füttern, Epilepsie, instabile Körpertemperatur, Herzfrequenz und Atmung. Häufig bestehen auch endokrine Krankheiten wie Diabetes insipidus, Nebennierenrinden-Hypoplasie, Hypogonadismus, Hypoplasie der Schilddrüse und Wachstumhormon-Mangel. Bisher wurden 7 Gene identifiziert, die an der Genese der HPE beteiligt sind: Sonic hedgehog (SHH), ZIC2, SIX3, TGIF, PTCH, GLI2 und TDGF1. Für die 4 hauptsächlichen Gene (SHH, ZIC2, SIX3 und TGIF) ist eine molekulare Diagnostik durch Gensequenzierung und Allel-Quantifizierung möglich. Große Rearrangements der Subtelomere können durch Multiplex-Ligations-Amplifizierung (MLPA) erkannt werden. Dennoch bleibt in 70% der Fälle die molekulare Ursache unbekannt, ein möglicher Hinweis auf weitere beteiligte Gene oder Umweltfaktoren. Entsprechend wird eine 'Multiple-Hit'-Hypothese mit genetischen und/oder Umweltfaktoren (z.B. mütterlicher Diabetes) diskutiert, um die außerordentliche klinische Variabilität zu erklären. Die vorgeburtliche Diagnostik erfolgt durch Ultraschall und Magnetresonanz-Bildgebung (MRI), molekulare Diagnostik spielt hier keine Rolle. Die Behandlung ist symptomatisch und supportiv und erfordert eine multidisziplinäre Planung. Das Behandlungsergebnis hängt bei den Kindern vom Schweregrad der HPE und von den begleitenden internistischen und neurologischen Komplikationen ab. Schwer betroffene Kinder haben eine sehr schlechte Prognose. Leicht betroffene Kinder haben nur wenige Symptome und können ein normales Leben führen.
Quelle: Orphanet: an online rare disease and orphan drug data base. Copyright, INSERM 1997. Available on http://www.orpha.net. Accessed 17.04.2014

Orofaziale Manifestation

Lippen-Kiefer-Gaumenspalte, Zahnanomalien (Mesiodens)

Literatur

Weblinks