Gorlin-Syndrom

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Krankheitsbeschreibung

Das Gorlin-Syndrom, auch als Nävoides-Basalzellkarzinom-Syndrom (NBCCS) bekannt, ist eine erbliche Krankheit mit einer Reihe von Entwicklungsstörungen und einer Prädisposition für verschiedene Karzinome. Die Prävalenz liegt zwischen 1 :57.000 und 1 : 256.000. Beide Geschlechter sind gleich häufig betroffen. Häufigste klinische Manifestationen sind multiple Basalzellkarzinome (BCC), odontogene Keratozysten der Kiefer, Hyperkeratose der Handflächen und Fußsohlen, Skelettanomalien, ektopische intrakraniale Verkalkungen und faziale Dysmorphien (Makrozephalie, Lippen-Gaumenspalten). Bis zu 5% der Patienten sind geistig retardiert. Die BCCs (sie variieren klinisch von fleischfarbenen Papeln bis zu ulzerierenden Plaques und haben einen Durchmessesser von 1-10 mm) sind am häufigsten im Gesicht, am Rücken und auf der Brust loalisiert. Ihre Zahl schwankt zwischen wenigen Tumoren und bis zu mehreren Tausend von ihnen. Bei 90% der Patienten bestehen rezidivierende Kieferzysten. Skelettanomalien (veränderte Rippen-, Wirbel- und Schädelform) sind häufig. Möglich sind auch Veränderungen an den Augen, im Urogenitaltrakt und im kardiovaskulären System. Etwa 5-10% der NBCCS-Patienten entwickeln im Gehirn ein malignes Medulloblastom, mögliche Ursache eines frühen Todes. Ursache des NBCCS sind Mutationen im PTCH1-Gen (9q22.3) für den Patched-Rezeptor, einem negativen Regulator der Effekte von Sonic Hedgehog. Die Krankheit wird autosomal-dominant mit kompletter Penetranz und variabler Expressivität vererbt. Das komplexe klinische Bild dieses Syndroms erschwert seine Diagnose. Deshalb sind spezifische diagnostische Kriterien erforderlich. Die klinische Diagnose wird durch molekulare Analyse gesichert. Eine genetische Beratung ist unerlässlich. Eine vorgeburtliche Diagnostik ist mittels Fehlbildungs-Ultraschall und DNA-Analyse in fetalen Zellen (Amniozentese oder Choriozottenbiopsie) möglich. Die wichtigsten Differentialdiagnosen sind: Bazex-Syndrom, Trichoepithelioma papulosum multiplex und Muir-Torre-Syndrom (s. diese Termini). Die Patienten müssen multidisziplinär betreut werden, Die Keratozysten werden chirurgisch entfernt. Eine chirurgische Entfernung der BCCs ist indiziert bei begrenzter Zahl von Tumoren. Andere Verfahren sind Laser-Ablation, photodynamische Therapie und topische Chemotherapie. Strahlentherapie soll vermieden werden. Vitamin A-Analoga beugen evtl. der Bildung neuer BCCs vor. Die Lebenserwartung ist beim NBCCS nicht signifikant verändert, aber die Morbidität durch Komplikationen kann erheblich sein. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen durch ein Team von Spezialisten aus mehreren Fachrichtungen (Dermatologen, Neurologen, Odontologen) muss angeboten werden. Patienten mit NBCCS sollen übermäßige Sonnenexposition streng vermeiden.
Quelle: Orphanet: Orphanet: an online rare disease and orphan drug data base. Copyright, INSERM 1997. Available on http://www.orpha.net. Accessed 16.04.2014

Orofaziale Manifestation

Odontogene Zysten (keratozystischer odontogener Tumor), Lippen-Kiefer-Gaumenspalte, Zahnanomalien (Schmelzhypoplasie)

Literatur

Weblinks