GAPO-Syndrom

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Krankheitsbeschreibung

Das GAPO-Syndrom ist eine sehr seltene erbliche Krankheit, bisher wurden weltweit nur 24 Fälle beschrieben. Tipton und Gorlin faßten mit dem Akronym GAPO die Symptome Wachstumsretardierung (growth retardation), Alopezie (nach der Geburt erworben), Pseudo-Anodontie (Retention von Milchzähnen und bleibenden Zähnen) und Optikusatrophie (nicht immer) zusammen. Die Patienten sehen einander im Gesicht sehr ähnlich: Hohe, ausladende Stirn, Hypertelorismus, füllige Augenlider, Mittelgesichtshypoplasie, flache Nasenwurzel, antevertierte Nares, Mikrognathie (Hypoplasie der Maxilla), dicke und evertierte Unterlippe, tiefsitzende Ohren. Häufiger wurden dazu auch die folgenden Symptome beschrieben: Überschüssige, hyperelastische Haut, die mit ungewöhnlicher Faltung dem Gesicht ein greisenhaftes Aussehen verleiht; Nabelhernie, überstreckbare Gelenke, dermatologische Symptome (Hämangiome, depigmentierte Areale, gestielte Hauttumoren), ophthalmologische Symptome (besonders Glaukom), Choanalatresie, Schwerhörigkeit und Hepatomegalie. Geistige Retardierung wurde nicht gesehen. Andere, eher seltene Symptome sind Störungen der gonadalen Funktion (Hypogonadismus, Oligospermie, späte Menarche, sekundäre Amenorrhoe), Mitralinsuffizienz, renale Symptome (Nephrokalzinose, chronische Niereninsuffizienz, Harnsteine). Bei Kleinkindern wurden eine weit offene vordere Fontanelle und Hirndruck beschrieben. Fünf Patienten hatten erweiterte und gewundene Kopfhautvenen. Diese schienen mit schwammigen, brummenden, pulsierenden Massen in Verbindung zu stehen. Mit zerebraler Angiographie und Magnetresonanz-Angiographie waren stark erweiterte kortikale Venen, mit komprimierten oder fehlenden Sinus transversalis und sigmoideus links und Agenesie der linken Jugularvene nachweisbar. Und unter den palpablen Massen der Kopfhaut lagen erweiterte transossäre Venen (die Emissarien). Bei einigen Patienten ergaben die folgenden endokrinologischen Untersuchungen ein normales Ergebnis: Die kombinierte Stimulation des Wachstumshormons mit Insulin und Arginin, Vielfach-Stimulationstests (Thyrotropin-Releasing-Hormon, Gonadotropin-Releasing-Hormon, Synacten und Arginin), Metapyron-Stimulation und Quantifizierung der Schilddrüsenhormone. Die Chromosomen waren unauffällig. Die Biopsie der Kopfhaut zeigte einige wenige atrophische Haarfollikel, die umgeben waren von Kollagenfasern und homogen-amorphen, hyalinen, PAS-positiven Ablagerungen. Eine Hautbiopsie vom Arm zeigte das gleiche amorphe Material in der papillären Dermis, und in der retikulären Dermis fehlten die mit Resorcin-Fuchsin anfärbbaren elastischen Fasern. Die Hautbiopsie der Axillen zeigte verminderte Haarfollikel, normale apokrine Drüsen und das gleiche amorphe Material. Für das GAPO-Syndrom wird autosomal-rezessive Vererbung angenommen, in mindestens 13 Fällen bestand elterliche Konsanguinität. Die Lebenserwartung scheint vermindert zu sein: Von 5 Erwachenen starben 3 in der 3. oder 4. Dekade. Die Autopsie bei einem der Patienten zeigte eine ausgedehnte interstitielle Fibrose und atherosklerotische Veränderungen der Arterien. Bei einem zweiten Patienten wurde die amorphe hyaline Substanz nicht nur in der Dermis, sondern auch in allen Organen und und interstitiellen Geweben gefunden. Diese Beobachtungen ließen einige Autoren vermuten, daß der Basisdefekt evtl. ein Enzym betrifft, das extrazelluläre Materialien abbaut.
Quelle: Orphanet: an online rare disease and orphan drug data base. Copyright, INSERM 1997. Available on http://www.orpha.net. Accessed 14.04.2014

Orofaziale Manifestation

Mikrognathie, Dysgnathie, Zahnanomalien (Retention der Milchzähne und der bleibenden Zähne), hypoplastische Maxilla

Literatur

Weblinks