EEC-Syndrom

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Krankheitsbeschreibung

Das EEC-Syndrom ist eine genetische Entwicklungsstörung mit Ektrodaktylie, ektodermaler Dysplasie und oro-fazialen Spalten (Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte). Die genaue Prävalenz ist nicht bekannt, bisher wurden in der Literatur mehr als 300 Fälle beschrieben. Die drei Kardinalzeichen des Syndroms sind Ektrodaktylie und Syndaktylie der Hände und Füße, Lippenspalte mit oder ohne Gaumenspalte und Anomalien verschiedener ektodermaler Strukturen einschließlich der Haut (hypopigmentierte trockene Haut, Hyperkeratose, Hautatrophie), der Haare (feine und spärliche Haare und Augenbrauen), der Zähne (kleine, fehlende oder dysplastische Zähne), der Nägel (Nageldystrophie) und der exokrinen Drüsen (verminderte oder fehlende Sekretion der Schweiß-, Talg- und Speicheldrüsen). Das Syndrom ist sowohl intra- als auch interfamiliär klinisch sehr variabel. Die Kardinalzeichen müssen nicht gemeinsam vorkommen. Jedes einzelne von ihnen kann unterschiedlich schwer ausgeprägt sein. Weitere klinische Symptome sind: Anomalien des Urogenitalsystems (z. B. Nierenagenesie, Urethra-Atresie, Hydronephrose), Schallleitungs- oder Schallempfindungsschwerhörigkeit, Choanal-Atresie, Hypoplasie der Mamma oder der Mamillen, Augensymptome (z. B. Defekte des Tränenganges, Photophobie, Hornhautulzerationen, Keratitis, Blepharitis, Entropion), Anomalien der endokrinen Drüsen (z. B. hypoplastischer Thymus, Hypopituitarismus, Wachstumshormonmangel) und sehr selten ein weißer Schwammnaevus, verzögerte Entwicklung und malignes Lymphom. Die Patienten sind normal intelligent. In mehr als 90 % der Fälle ist das EEC durch Missense-Mutationen im TP63-Gen (3q27) verursacht. Das Gen kodiert für den TP63-Transkriptionsfaktor, der für die Entwicklung des Ektoderms und der Gliedmaßen essentiell ist. Diese Fälle entsprechen dem klassischen EEC-Syndrom (EEC Typ 3) und es scheint eine gewisse Genotyp-Phenotyp-Korrelation zu bestehen. Die anderen Fälle entsprechen dem EEC-Syndrom Typ 1, das durch malformierte Ohrmuscheln und Fehlbildung des Mittel- und Innenohrs gekennzeichnet ist. Der Genort wurde nach 7q21 kartiert. Einen Typ 2 des EEC gibt es nicht mehr. Das EEC-Syndrom ist eine autosomal-dominante Krankheit mit unvollständiger Penetranz (zwischen 93 und 98 %) und variabler Expressivität. Zur Diagnose führen die klinische Untersuchung, die Röntgenuntersuchung der Gliedmaßen und des Kiefers sowie, in Abhängigkeit von den assoziierten Fehlbildungen, die Ultraschalluntersuchung der Nieren und die Hautbiopsie. Durch genetische Untersuchung kann die Diagnose bestätigt werden. Durch Fehlbildungsultraschall im 2. Trimenon der Schwangerschaft ist ein Nachweis der Strukturanomalien eventuell möglich. In Familien, in denen die krankheitsverursachende Mutation identifiziert wurde, ist eine vorgeburtliche Diagnose durch molekulare Analyse möglich. Den betroffenen Familien soll eine genetische Beratung angeboten werden. Inhalt der Beratung ist das 50%ige Wiederholungsrisiko für Kinder betroffener Personen und die Möglichkeit eines Keimzellmosaiks bei nicht betroffenen Eltern eines Kindes mit EEC-Syndrom. Nicht betroffene Eltern haben daher ein 4%iges Risiko, dass ein weiteres Kind betroffen ist. Die Betreuung ist multidisziplinär und erfordert eine Begutachtung durch orthopädische Chirurgen, kosmetische Chirurgen und Kieferchirurgen, durch Ophtalmologen, Dermatologen sowie durch Sprachtherapeuten. Die chirurgischen Eingriffe ermöglichen eine Korrektur der oro-fazialen und dentalen Anomalien und verbessern die Funktion und das Aussehen der Gliedmaßen. Augenärztliche Betreuung ist erforderlich, um Komplikationen wie Katarakt und Hornhautnarben zu vermeiden. Bei Hypohidrose müssen erhöhte Temperaturen, schwere Kleidung und körperliche Anstrengung vermieden werden. Die Prognose ist gut, die Lebenserwartung nahezu normal. Die Hypohidrose führt zu den meisten lebensbedrohlichen Komplikationen, sie kann Krampfanfälle, Koma und eventuell den Tod bedingen, wenn sie nicht korrekt behandelt wird.
Quelle: Orphanet: an online rare disease and orphan drug data base. Copyright, INSERM 1997. Available on http://www.orpha.net. Accessed 06.05.2014

Orofaziale Manifestation

Lippen-Kiefer-Gaumenspalte, Zahnanomalien (Formanomalie, Hypodontie) , Dysgnathie (hypoplastische Maxilla)

Literatur

Weblinks