Dysplasie, okulo-dento-digitale

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Krankheitsbeschreibung

Die okulo-dento-digitale Dysplasie (ODDD) ist gekennzeichnet durch kraniofaziale und neurologische Anomalien sowie durch Fehlbildungen der Gliedmaßen und der Augen. Weltweit wurden bisher etwa 250 Fälle beschrieben, die Mehrheit von ihnen sind weiße Individuen. Die Krankheit ist durch eine weite intra- und interfamiliäre phänotypische Variablität gekennzeichnet. Typische kraniofaziale Anomalien sind eine schmale Nase mit hypoplastischen Nasenflügeln, kleine antevertierte Nares und eine prominente Columella, vergrößerter Unterkiefer, Gaumenspalte und Mikrozephalie. Symptome am Skelett sind Syndaktylie (4. und 5. Finger und/oder 2. bis 4. Zehen), sowie Kamptodaktylie und Klinodaktylie durch Hypoplasie oder Aplasie der Mittelphalangen. Mögliche Symptome am Skelett sind Hyperostose des Schädels und breite Röhrenknochen. Anomalien der Augen sind: verminderte Sehschärfe, Mikrophthalmie, Mikrocornea, Katarakt, Glaukom, Irisanomalien und Optikusatrophie. Weniger häufige Augenbefunde sind Nystagmus, Hypoplasie der Lidspalten, Epikanthus und Strabismus convergens. Die meisten Patienten mit ODDD haben ein abnormes primäres und permanentes Gebiss mit Mikrodontie, partieller Anodontie, Schmelzhypoplasie, multipler Karies und frühem Zahnverlust. Die neurologische Symptomatik ist nicht einheitlich, Symptome sind aber häufig: Dysarthrie, neurogene Blase, spastische Paraparese, Ataxie, Schwäche des Musculus tibialis anterior und Krampfanfälle. Einige Patienten haben dysplastische Ohren und eine Schallleitungsschwerhörigkeit. Auch über leicht verzögerte psychomotorische Entwicklung wurde berichtet. Mit Magnetresonanzbildgebung (MRI) können im Gehirn Anomalien der weißen Substanz nachgewiesen werden. Brüchige Nägel und abnorme Haare (Hypotrichose und langsames Haarwachstum) können vorhanden sein. Herzanomalien, darunter Arrhythmien oder angeborene Herzfehler (Ventrikelseptumdefekt), wurden beschrieben, sind aber nicht häufig. Bei einem einzelnen Fall wurden Nabelhernie, kongenitale optoziliäre Venen und rezidivierende ketotische Hypoglykämie im frühen Kindesalter beschrieben. Ursache des ODDD sind heterozygote Mutationen im GJA1-Gen (6q21-q23.2), das für das Gap-Junction-Protein Connexin 43 (Cx43) kodiert. Es wurden mehr als 40 ursächliche Mutationen beschrieben. Mutationen im GJA1-Gen wurden auch bei Patienten mit Syndaktylie Typ 3 (s. dort) beschrieben, was darauf hindeutet, dass beide Syndrome Teil des gleichen Spektrums sind. Die meisten Fälle mit ODDD werden autosomal-dominant mit hoher Penetranz und variabler Expressivität vererbt. Bei sporadischen Fällen von ODDD wurde ein erhöhtes väterliches Alter gefunden. Daneben wurden fünf Familien mit offenbar autosomal-rezessiver Vererbung beschrieben, was aber noch bestätigt werden muss. Zur Diagnose führen die klinischen Befunde. Die Diagnose kann durch molekulare Untersuchung bestätigt werden. Differentialdiagnosen sind eine große Zahl von Syndromen mit Symptomen am Skelett, am Auge, an den Zähnen und am Nervensystem. Bei familiären Fällen ist das Wiederholungsrisiko erhöht und an eine vorgeburtliche Mutationsanalyse kann gedacht werden. Allen ODDD-Patienten soll eine genetische Beratung angeboten werden. Die Betreuung ist multidisziplinär. Erforderlich sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen mit vollständiger Überprüfung der Augen, des neurologischen Status, des Hörvermögens und des Gebisses. Als Folge eines Glaukoms können die Patienten erblinden und müssen bei entsprechendem Risiko eine Antiglaukom-Therapie erhalten. Bei schweren Fehlbildungen der Gliedmaßen sind plastische oder orthopädische Operationen indiziert. Eine frühe Erkennung des Syndroms ist von entscheidender Bedeutung bei der Verhütung und Behandlung der weit variierenden Manifestationen.
Quelle: Orphanet: an online rare disease and orphan drug data base. Copyright, INSERM 1997. Available on http://www.orpha.net. Accessed 10.04.2014

Orofaziale Manifestation

Zahnanomalien (Mikrodontie, partielle Anodontie, Schmelzhypoplasie, multiple Karies, früher Zahnverlust), vergrößerter Unterkiefer, Dysgnathie, Lippen-Kiefer-Gaumenspalte

Literatur

Weblinks