Dysplasie, mandibulo-akrale

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Krankheitsbeschreibung

Die Mandibulo-akrale Dysplasie (MAD) ist gekennzeichnet durch postnatale Wachstumsverzögerung (verspäteter Fontanellenschluss), kraniofaziale Anomalien, Skelettfehlbildungen (z.B. Hypoplasie der Mandibula und der Schlüsselbeine mit dem Eindruck eines fliehenden Kinns und hängender Schultern) und fleckige Hautpigmentierung. Berichtet wurde auch über Zahnanomalien, Akroosteolyse, steife Gelenke und Minderwuchs. Manchmal zeigen die Patienten einen Verlust des Fettgewebes in den Gliedmaßen und Symptome einer vorzeitigen Alterung (Progerie): Dünne Haut, schütteres Haar und Nageldysplasie. Nach dem Ausmaß der Lipatrophie werden zwei klinische Formen der MAD unterschieden, Typ A mit einer partiellen Lipatrophie vor allem in den Gliedmaßen und Typ B mit einer mehr generalisierten Lipatrophie. Die MAD ist eine sehr seltene, autosomal-rezessiv vererbte Krankheit. Als Ursache wurden bisher Mutationen in einem von 2 Genen gefunden: Homozygote Missense-Mutationen (Arg527His und Ala529Val) im LMNA-Gen (1q21.2) bei MADA und compound-heterozygote Mutationen im ZMPSTE24-Gen (1p34) bei MADB. Wahrscheinlich können auch Mutationen in anderen Genen die Krankheit verursachen. Das LMNA-Gen kodiert für Lamin A/C, ein Protein der Kernmembran, dessen Rolle nicht vollständig geklärt ist. Evtl. interagiert es mit dem Chromatin und einem Fettgewebe-Differenzierungsfaktor. Das ZMPSTE24-Gen kodiert für eine Zink-Endoprotease, die an der Reifung des Lamin A/C-Proteins beteiligt ist. Krankheiten mit Mutationen im LMNA-Gen sind klinisch außerordentlich heterogen: Zu ihnen gehören partielle Lipatrophien, Muskeldystrophien (Emery-Dreifuss-Muskeldystrophie und die Gliedergürtel-Muskeldystrophie LGMD 1B), nicht-obstruktive Kardiomyopathien (CMD 1A), Charcot-Marie-Tooth-Neuropathien, dermatologische Syndrome, akro-mandibuläre Dysplasien und Progeriesyndrome (Hutchinson-Gilford, s. dort). Die letzten drei Syndrome gehen mit den Zeichen einer Lipatrophie einher. Eine vorgeburtliche Diagnostik ist grundsätzlich möglich, erscheint aber wegen der weiten phänotypischen Heterogenität der Syndrome nicht angebracht. Eine frühe Diagnostik ermöglicht aber die Erkennung und Behandlung einer Insulinresistenz, die möglicherweise mit der Lipatrophie verbunden ist. Die Behandlung der Insulinresistenz ist für alle Formen dieses Stoffwechelsyndroms einheitlich: Körperliche Aktivität, insulinotrope Antidiabetika (Metformin, Glitazon-Verbindungen) und Insulin (bevorzugt Insulin-Analoga). Klinische Beobachtungen ergaben Hinweise, dass Leptin einige Formen von Lipatrophie günstig beeinflussen kann. Diese Behandlung wurde bei MAD aber noch nicht erprobt. Das Risiko für kardiovaskuläre Komplikationen scheint erhöht. Die Langzeitprognose ist nicht bekannt.
Quelle: Orphanet: an online rare disease and orphan drug data base. Copyright, INSERM 1997. Available on http://www.orpha.net. Accessed 10.04.2014

Orofaziale Manifestation

Zahnanomalien, hypoplastischer Unterkiefer, Dysgnathie, Mikrognathie

Literatur

Weblinks