Cornelia de Lange-Syndrom

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Krankheitsbeschreibung

Das Cornelia de Lange-Syndrom (CdLS) ist eine Multisystem-Krankheit mit variabler Expressivität. Das CdLS ist gekennzeichnet durch charakteristische faziale Dysmorphien, unterschiedlich stark ausgeprägte Intelligenzminderung, erheblichen und schon pränatal (im zweiten Trimenon) beginnenden Kleinwuchs, abnorme Hände und Füße (Oligodaktylie oder manchmal schwerere Amputationen; immer eine Verkürzung des Metacarpale I) und unterschiedliche Herz- und Nierenfehlbildungen. Die geschätzte Prävalenz in der Allgemeinbevölkerung liegt zwischen 1:62.500 und 1 :45.000. Charakteristische Merkmale des Gesichts sind: stark ausgeprägte, gebogene und konfluierende Augenbrauen, lange Wimpern, nach vorn gerichtete Nasenlöcher, Mikrogenie, nach unten gerichtete Mundwinkel, dünne Oberlippe. Fütterprobleme und Gedeihstörungen werden häufig durch einen gastro-ösophagealen Reflux weiter kompliziert. Das klinische Bild schreitet fort zu psychomotorischer Retardierung, zu Problemen beim Spracherwerb und manchmal zu autistoiden Verhaltensstörungen. Auf eine eventuelle Schwerhörigkeit muß besonders geachtet werden. Fast alle Fälle sind sporadisch. Gelegentliche familiäre Fälle folgen einem autosomal-dominanten Vererbungsmuster. Als Ursache wurden Mutationen in drei Genen für Komponenten des Cohesin-Komplexes (beteiligt an der chromosomalen Kohäsion) identifiziert. Das Delangin-Gen (NIPBL, 5p13.1) ist bei etwa 50% der Patienten mutiert und stellt das beim CdLS hauptsächlich beteiligte Gen dar. Bei leichteren Verlaufsformen der Krankheit wurden Mutationen im SMC1L1/SMC1A-Gen (Xp11.22-p11.21) und im SMC3-Gen (10q25) gefunden. An die Diagnose muß gedacht werden, wenn bei pränataler Ultraschalluntersuchung Wachstumsretardierung und Gliedmaßendefekte gefunden werden. Wenn bei familiären Fällen die ursächliche Mutation identifiziert wurde, ist eine vorgeburtliche Diagnostik durch molekulare Analyse der foetalen DNA möglich, auch wenn die Eltern die Mutationen nicht zu tragen scheinen, denn es kann ein elterliches Keimzellmosaiks vorliegen. Die Krankheit kann nicht geheilt werden, aber psycho-edukative Begleitung ist notwendig. Der gastro-ösophageale Reflux erfordert besondere Aufmerksamkeit: Oft sind eine Gastrotomie und eine Anti-Reflux-Intervention nach Nissen erforderlich.
Quelle: Orphanet: an online rare disease and orphan drug data base. Copyright, INSERM 1997. Available on http://www.orpha.net. Accessed 08.04.2014

Orofaziale Manifestation

Mikrogenie, mandibuläre Mikrognathie, Dysgnathie, nach unten gerichtete Mundwinkel, dünne Oberlippe

Literatur

Weblinks