Coffin-Lowry-Syndrom

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Krankheitsbeschreibung

Das Coffin-Lowry-Syndrom (CLS) ist eine syndromale Form von X-chromosomaler geistiger Retardierung. Das CLS wurde in verschiedenen ethnischen Gruppen gefunden und scheint nicht besonders selten zu sein: Die Prävalenz wird auf 1/4.500 geschätzt. Das klinische Bild des CLS ist sehr variabel, sowohl im Schweregrad als auch in der Ausprägung ungewöhnlicher Begleitsymptome. Typische Symptome der männlichen Patienten sind Minderwuchs, psychomotorische Retardierung und fortschreitende Skelettdeformierungen. Im Säuglingsalter sind die körperlichen Anomalien meist noch sehr gering ausgeprägt. Zu ihnen zählen faziale Dysmorphien (Hypertelorismus; knollige Nase; breiter, offener Mund mit vorstehender Zunge; volle, evertierte Lippen; kleine, unregelmäßige oder fehlende Zähne) und große, weiche Hände mit lockerer Haut und konischen, geschwollenen Fingern, die ein diagnostisches Kriterium sind. Einige Patienten haben weitere Symptome: sensorisch-neurale Schwerhörigkeit (30%), zerebrale Krämpfe (30%), Fall-Episoden (10-20%), kardiale Probleme, Agenesie des Corpus callosum und/oder erweiterte Ventrikel, sowie eine Myelopathie. Die Betroffenen haben ein eher freundliches Temperament und können, trotz verbaler Schwierigkeiten, gut kommunizieren. Die meisten weiblichen Überträgerinnen haben nur minimale Zeichen. Ihre kognitiven Funktionen sind leicht eingeschränkt oder normal. Das CLS wird X-chromosomal semi-dominant vererbt. Ursache sind Mutationen mit Funktionsverlust im RPS6KA3 -Gen in der Chromosomenregion Xp22.2. Das Gen kodiert für die Wachstumsfaktor-induzierte Proteinkinase RSK2. Es besteht eine große allelische Heterogenität: Bisher wurden mehr als 120 verschiedene Mutationen gefunden, die meisten jeweils nur in 1 Familie. Bei etwa 70-80% der Probanden gibt es in der Familie keine weiteren Fälle von CLS. Die Diagnose basiert auf den klinischen Symptomen und wird durch Mutationssuche im RSK2-Gen (22 Exons) bestätigt. Im Western-Blot mit kultivierten Hautfibroblasten (aus Hautbiopsie) oder lymphoblastoiden Zellinien können alle Kettenabbruch-Mutationen (sie machen etwa 70% der RSK2-Mutationen aus) erkannt werden. Differentialdiagnostisch müssen das Alpha-Thalassaemie-Geistige Retardierung-Syndrom, das Fragile X-Syndrom, das Sotos-Syndrom, das Williams-Beuren-Syndrom und verschiedene lysosomale Speicherkrankheiten ausgeschlossen werden. Mehr als 60% der Fälle sind durch Neumutationen verursacht. Da in einigen Familien auch über Keimzell-Mosaizismus berichtet wurde, schließt der fehlende Nachweis der ursächlichen Mutation bei einer Mutter mit einem einzelnen betroffenen Kind ein Wiederholungsrisiko für weitere Schwangerschaften nicht aus. Deshalb soll in diesen Fällen eine vorgeburtliche Diagnostik angeboten werden. Die vorgeburtliche Diagnostik erfolgt mit kultivierten Amnionzellen durch Mutationsanalyse oder Western-Blot. Eine spezifische Behandlung gibt es noch nicht. Die Betreuung der Patienten ist auf unterstützende und symptomatische Maßnahmen ausgerichtet. Besonders eine Hörstörung sollte sehr früh behandelt werden, um die Entwicklung und Lebensqualität der Patienten zu verbessern. Die fortschreitende Derformierung der Wirbelsäule (Skoliose und/oder Kyphose) kann bei erwachsenen Patienten chirurgische Eingriffe erfordern. Durch Behandlung mit Benzodiazepin kann die Häufigkeit von Fall-Episoden wahrscheinlich verringert werden.
Quelle: Orphanet: an online rare disease and orphan drug data base. Copyright, INSERM 1997. Available on http://www.orpha.net. Accessed 08.04.2014

Orofaziale Manifestation

Breiter, offener Mund mit vorstehender Zunge; volle, evertierte Lippen; Zahnanomalien (vorzeitiger Zahnverlust)

Literatur

  • Hartsfield, J. K., Jr., Hall, B. D., Grix, A. W., Kousseff, B. G., Salazar, J. F., Haufe, S. M. W.Pleiotropy in Coffin-Lowry syndrome: sensorineural hearing deficit and premature tooth loss as early manifestations.Am. J. Med. Genet. 45: 552-557, 1993. PMID 7681250
  • PMID 21781198
  • PMID 17249444
  • PMID 10826053

Weblinks