Bartter-Syndrom

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Krankheitsbeschreibung

Krankheitsdefinition

Das Bartter-Syndrom (BS) ist gekennzeichnet durch eine hypokaliämische Alkalose mit erhöhten Plasmaspiegeln von Renin und Aldosteron, niedrigem Blutdruck und Angiotensin II-Resistenz der Gefäße.

Epidemiologie

Die Jahresinzidenz wird auf 1 :830.000 geschätzt.

Klinische Beschreibung

Es gibt fünf genetische Typen des BS, aber nur zwei klinisch unterscheidbare Typen : (i) Das antenatale oder infantile BS (die meisten mit den genetischen Typen I, II und IV) mit Hydramnion, Frühgeburtlichkeit, Polyurie, Dehydratation, Hyperkalziurie und Nephrokalzinose, und (ii) das klassische BS (meist Patienten mit Genotyp III, aber auch einige mit Genotyp IV) mit Polyurie-Polydipsie beginnend im Kleinkind-, Kindes- oder Erwachsenenalter, Dehydratation und verzögerter Längen- und Gewichtszunahme. Die Kalziumspiegel im Urin sind entweder normal oder leicht erhöht. Spezifische Zeichen und Symptome sind die Hörstörung beim Bartter-Syndrom Typ IV und die Hypokalzämie beim BS Typ V.

Ätiologie

Das BS resultiert aus einer gestörten Rückresorption von Natrium, Kalium und Chlorid in der Henleschen Schleife. Vier der genetischen Varianten des BS werden autosomal-rezessiv vererbt. Sie werden durch homozygote oder compound-heterozygote Mutationen in jeweils einem von vier Genen verursacht, die für Proteine kodieren, die am Chloridtransport im aufsteigenden Schenkel der Henleschen Schleife beteiligt sind: Der Typ I des BS ist definiert durch Mutationen im SLC12A1-Gen (Chromosomenregion 15q15-q21), das für den Natrium-Kalium-Chlorid-Kotransporter NKCC2 kodiert; der Typ II des BS ist definiert durch Mutationen im KCNJ1-Gen (11q21-q25), das für den Kaliumkanal ROMK kodiert ; der Typ III des BS ist definiert durch Mutationen im CLCNKB-Gen (1p36), das für einen Chloridkanal der Basolateralmembran kodiert; und der Typ IV des BS ist definiert durch Mutationen im BSND-Gen (1p31), das für Barttin, eine Chloridkanal-Untereinheit kodiert. Eine weitere Variante (Typ V) wird autosomal-dominant vererbt und ist verursacht durch heterozygote aktivierende Mutationen im CASR-Gen (3q13.3-q21), das für einen Kalziumrezeptor kodiert.

Diagnostische Verfahren

Die Diagnose beruht auf dem klinischen Bild und der Analyse der Plasmaelektrolyte, des Bikarbonat-, Magnesium- und Kalziumspiegels, der Konzentrationen von Renin und Aldosteron, der Urinelektrolyte und der Ausscheidung von Kalzium und Magnesium. Durch molekulare Analyse wird die Diagnose endgültig bestätigt.

Differentialdiagnose

Differentialdiagnostisch zu erwägen sind das Pseudo-Bartter-Syndrom (Diuretika-Abusus, heimliches Erbrechen), Gitelman-Syndrom, Zystische Fibrose und Zöliakie-Sprue (s. diese Termini).

Pränataldiagnostik

Eine vorgeburtliche molekulare Diagnose kann Müttern betroffener Kinder oder möglicherweise heterozygoten Verwandten angeboten werden.

Management und Behandlung

Die Behandlung besteht in oraler Kalium-Supplementierung, Indometacin und evtl. kaliumsparenden Diuretika. In Belastungssituationen (zusätzliche Krankheiten, chirurgische Eingriffe, Trauma) können sich die Elektrolyt-Blutspiegel sehr schnell verändern, was eine schnelle und intensive intravenöse Behandlung erforderlich macht.

Prognose

In schweren Fällen ist die Lebenserwartung evtl. reduziert, zum Nierenversagen kommt es selten. In einigen Fällen ist die Lebensqualität eingeschränkt, das Wachstum reduziert und Zahl der Klinikaufenthalte hoch.
Quelle: Orphanet: an online rare disease and orphan drug data base. Copyright, INSERM 1997. Available on http://www.orpha.net. Accessed 26.12.2016.

Orofaziale Manifestation

Zahnanomalien (gelbliche Zähne, dünner Schmelz)

Literatur

Weblinks