Arterien, geschlängelte/ Arterial-Tortuosity-Syndrom

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Krankheitsbeschreibung

Das Syndrom der geschlängelten Arterien (ATS) ist eine seltene Bindegewebserkrankung mit geschlängelt verlaufenden und verlängerten großen und mittelgroßen Arterien, die zur Bildung von Aneurysmen und Dissektionen neigen. Stenosen der Pulmonalarterien sind ein weiteres Kennzeichen. Die Prävalenz ist nicht bekannt, in der Literatur wurden bisher weniger als 80 Fälle beschrieben. Beide Geschlechter sind gleich häufig betroffen. Abhängig von den betroffenen Arterien sind die klinischen Manifestationen unterschiedlich. Die Symptome beginnen im Kleinkind- bis zum frühen Kindesalter. Die kardiovaskulären Anomalien führen zu rechtsventrikulärem Hochdruck, akuten respiratorischen Symptomen, Kammerhypertrophie und Herzinsuffizienz. Die Patienten neigen zur Bildung von Aneurysmen, zu Dissektionen und zu ischämischen Ereignissen. Andere typische Symptome sind Dysmorphien (langes Gesicht, Mikrogenie, hoher Gaumen, schnabelförmige Nase), weiche und überdehnbare Haut, Cutis laxa, Hernien (Leiste, Zwerchfell, Hiatus), Skelettanomalien, hypermotile Gelenke, kongenitale Kontrakturen, Keratokonus und generalisierte Hypotonie. Das ATS wird autosomal-rezessiv vererbt. Ursache sind Mutationen im SLC2A10Gen (20q13.12), das für den Glukose-Transporter 10 (GLUT10, mit erleichterter Diffusion) kodiert. Bisher wurden in 34 Familien 18 SLC2A10-Mutationen gefunden. Welche Rolle GLUT10 in der Pathogenese des ATS spielt, ist noch nicht bekannt, aber Funktionsverlust-Mutationen im SLC2A10-Gen beeinflussen wahrscheinlich die Biosynthese von Proteoglykanen, wodurch letztlich die normale Struktur der bindegewebigen extrazellulären Matrix verloren geht. Für die Diagnose des ATS erforderliche Verfahren sind Echokardiographie (ECG), Angiographie, Magnetresonanz-Angiographie (MRA) und/oder Computertomographie. Histologisch werden in der Media der Arterien desintegrierte elastische Fasern gefunden. Der Nachweis von SLC2A10-Mutationen bestätigt die klinische Diagnose und ermöglicht eine spezifische genetische Beratung und Aussagen über die Prognose der Patienten. Differentialdiagnosen sind Loeys-Dietz-Syndrom, der vaskuläre Typ des Ehlers-Danlos-Syndroms (EDS IV) und das Marfan-Syndrom (sh. diese Termini). Bei pränataler echokardiographischer und sonographischer Untersuchung kann das ATS bereits vermutet werden. Die Verdachtsdiagnose wird durch molekulare Analyse von Chorionzotten oder Amniozyten bestätigt. Eine Schwangerschaft mit ATS erfordert eine intensive Überwachung von Mutter und Kind während der Schwangerschaft und bei der Kaiserschnittentbindung, sowie eine multidisziplinäre postpartale Betreuung. Alle Patienten mit ATS benötigen regelmäßige Kontrolluntersuchungen (EKG , MRA und/oder CT). Chirurgische Eingriffe (Ersatz der Aortenwurzel bei Aneurysma, Rekonstruktion der Pulmonalarterie) können hilfreich sein. Die Prognose ist schwer, die Mortalitätsrate beträgt 12%. Ursachen für einen vorzeitigen Tod, meist vor dem 5. Lebensjahr, sind Ateminsuffizienz, Ventrikelhypertrophie mit der Folge globalen Herzversagens, Myokarditis und ischämische Zustände mit Infarkten innerer Organe.
Quelle: Orphanet: an online rare disease and orphan drug data base. Copyright, INSERM 1997. Available on http://www.orpha.net. Accessed 14.03.2014

Orofaziale Manifestation

Mikrogenie, hoher Gaumen, Dysgnathie

Literatur

Weblinks