Angioödem, hereditäres

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Krankheitsbeschreibung

Das Hereditäre Angioödem (HAE) ist ist eine genetische Erkrankung und gekennzeichnet durch vorübergehende und rezidivierende subkutane und/oder submuköse Ödeme mit Schwellungen und Leibschmerzen. Die Prävalenz wird auf 1:100.000 geschätzt. Die Krankheit kann in jedem Alter beginnen, am häufigsten aber im Kindesalter und der Adoleszenz. Die Patienten kommen mit weißen, umschriebenen, nicht juckenden Ödemen, die 48 bis 72 Stunden bestehen bleiben und in unterschiedlichen zeitlichen Abständen wiederkehren. Ödeme im Verdauungstrakt verursachen ein klinisches Bild ähnlich einem Darmverschluss-Syndrom und sind manchmal von Aszites und hypovolämischem Schock begleitet. Kehlkopfödeme bedeuten ohne angemessene Behandlung ein 25%iges Risiko für einen tödlichen Ausgang. Zahnbehandlungen sind ein auslösender Faktor von Kehlkopfödemen. Bei Ödemen im Gesichtsbereich besteht ein erhöhtes Risiko für Beteiligung des Kehlkopfes. Drei Typen des HAE wurden beschrieben. Die Typen 1 und 2 sind verursacht durch Mutationen im SERPING1-Gen (11q12-q13-1), das für den Plasmaprotease-C1-Inhibitor (C1-INH) kodiert. Ursache des Typ 1 sind Deletionen oder Nonsense-Mutationen (fehlende oder trunkierte Transkripte). Als Typ 2 werden Punktmutationen mit qualitativen Defekten des C1-INH zusammengefasst. Die Vererbung ist autosomal-dominant. Als Folge des C1-INH-Mangels ist die Konzentration des Bradykinins erhöht. Daraus resultiert eine gesteigerte Permeabilität der Blutgefäße, dem Auslöser der Ödeme. Der Typ 3 des HAE betrifft vor allem Frauen, auslösende Faktoren sind östrogenhaltige Kontrazeptiva oder Schwangerschaft. Der Typ 3 ist nicht durch erblichen C1-INH-Mangel, sondern durch erhöhte Aktivität der Kininogenase bedingt, was wiederum zu erhöhten Bradykinin-Spiegeln führt. Einige Fälle sind mit aktivierenden Mutationen im F12-Gen (5q33-qter) für den Hageman-Gerinnungsfaktor (Faktor XII) assoziiert. Weitere genetische Ursachen werden vermutet. Die Diagnose der Typen 1 und 2 des HAE basiert auf der Messung der C4-Konzentration und auf der quantitativen und funktionellen Analyse des C1-INH. Für die Diagnose des Typ 3-HAE ist die Erkennung der klinischen Zusammenhänge entscheidend, da die C4- und C1-INH-Spiegel normal sind. Empfohlen wird die Suche nach Mutationen im F12-Gen, die aber nur bei 15% der Patienten vorliegen. Differentialdiagnosen sind: Erworbenes Angioödem (s. dort), Darmverschluss-Syndrom und das histamin-induzierte, meist mit Urtikaria assozierte Angioödem (mit allergener oder nicht-allergener Ursache). Alle Familienangehörige, auch die symptomfreien, sollen auf einen möglichen C1-INH-Mangel untersucht werden. Kortikosteroide sind ohne Wirkung. In Europa sollen akute Attacken mit subkutan appliziertem Icatibant (Bradykininrezeptor-Antagonist) oder mit intravenösem C1-INH-Konzentrat behandelt werden. Patienten mit häufigen Episoden kann eine Prophylaxe mit Tranexamsäure oder Danazol# empfohlen werden. #Nachtrag d. dtsch. Übers. (Okt. 2010): Danazol ist in der Schwangerschaft kontraindiziert und seit 2005 in D als Fertigpräparat nicht mehr verfügbar. Für Patienten mit bekannter Diagnose und Zugang zu adäquater Therapie des Kehlkopfödems ist die vitale Prognose gut. Die Beteiligung des Verdauungstraktes kann aber mit signifikanter Morbidität verbunden sein, die Patienten haben dann Schmerzen und sind mindestens drei Tage bettlägerig.
Quelle: Orphanet:an online rare disease and orphan drug data base. Copyright, INSERM 1997. Available on http://www.orpha.net. Accessed 13.03.2014.

Orofaziale Manifestation

Eingriffe im ZMK-Bereich als möglicher Auslöser von Kehlkopfödemen/Larynxödem, Parodontitis

Literatur

Weblinks