Alpha-Mannosidose

Aus ROMSEWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Krankheitsbeschreibung

Die Alpha-Mannosidose ist eine erbliche lysosomale Speicherkrankheit mit Immunschwäche, fazialen Anomalien, Skelettveränderungen, Schwerhörigkeit und intellektuellem Defizit. Die Prävalenz unter Lebendgeborenen beträgt etwa 1 :500.000. Die betroffenen Kinder können bei Geburt noch normal erscheinen, ihr Zustand verschlechtert sich aber zunehmend. Einige Kinder werden mit Klumpfuß geboren oder entwickeln im ersten Lebensjahr einen Hydrozephalus. Die wichtigsten Symptome sind Immunschwäche (mit rezidivierenden Infekten, besonders im ersten Lebensjahrzehnt), Skelettanomalien (leicht- bis mittelgradige Dysostosis multiplex, Skoliose, Deformation des Sternum), Hörstörung (moderate bis schwere Schallempfindungs-Schwerhörigkeit), graduelle Verschlechterung der mentalen Funktionen und der Sprache, oft auch psychotische Perioden. Begleitende Störungen der motorischen Funktion sind Muskelschwäche, Gelenkanomalien und Ataxie. Faziale Dysmorphien sind ein großer Kopf, prominente Stirn, gerundete Augenbrauen, flacher Nasenrücken, Makroglossie, weit auseinanderstehende Zähne und Progenie. Häufig besteht ein leichter Strabismus. Die klinische Variabilität ist erheblich, die verschiedenen Schweregrade bilden ein Kontinuum. Ursache der Krankheit ist ein Aktivitätsmangel der lysosomalen Alpha-Mannosidase mit Mutationen im MAN2B1-Gen (19p13.2-q12). Die Alpha-Mannosidose wird autosomal-rezessiv vererbt. Die Diagnose wird durch Messung der Alpha-Mannosidase-Aktivität in Leukozyten oder anderen kernhaltigen Zellen gestellt und durch molekulare Analyse bestätigt. Eine vermehrte Ausscheidung von mannose-reichen Oligosacchariden läßt an die Diagnose denken, ist aber kein spezifisches Diagnostikum. Die wichtigsten Differentialdiagnosen sind andere lysosomale Speicherkrankheiten wie die verschiedenen Formen von Mukopolysaccharidose (s. diese Termini). Die genetische Beratung beinhaltet die Erklärung von Ursache und Verlauf der Krankheit und die Heterozygotendiagnostik. Eine vorgeburtliche Diagnostik ist möglich, sowohl biochemisch als auch molekulargenetisch. Die Patienten sollen proaktiv betreut werden: Nicht nur sind die Symptome zu behandeln, sondern auch möglichen Komplikationen ist vorzubeugen. Oft müssen Infekte behandelt werden. Häufig ist auch die otologische Behandlung eines Tubenkatarrhs mit Serotympanon (Erguss im Mittelohr) erforderlich. Alle Patienten werden im Verlauf schwerhörig und benötigen dann ein Hörgerät. Notwendig und wichtig sind Frühförderung zum Erlernen sozialer Fähigkeiten und Krankengymnastik zur Verbesserung der Körperfunktionen. Evtl. müssen orthopädische Operationen durchgeführt werden. Die Langzeitprognose ist ungünstig. Heimtückisch schleichend verschlechtern sich über Jahrzehnte die neuromuskuläre Funktion und die Skelettstruktur, sodass die meisten Patienten rollstuhlpflichtig werden. Vollständige soziale Unabhängigkeit erreicht kein Patient, aber viele Patienten werden mehr als 50 Jahre alt.
Quelle: Orphanet: an online rare disease and orphan drug data base. Copyright, INSERM 1997. Available on http://www.orpha.net. Accessed 13.03.2014.

Orofaziale Manifestation

Makroglossie, Zahnanomalien (weit auseinanderstehende Zähne), Progenie, Dysgnathie

Literatur

Weblinks